40 Anbieter, sieben Berufsfelder und ein volles Programm mit Vorträgen, Vorführungen, Ausbildungsrallye, Azubi-Speed-Dating und Afterparty: Die erste FirstJob Ausbildungsmesse der Stuttgarter Zeitung, der Stuttgarter Nachrichten und der Arbeitsagentur Stuttgart ist ein voller Erfolg gewesen. Mehr als 3000 Besucher hat es in die Stuttgarter Wagenhallen gezogen. Von Petra Mostbacher-Dix

FirstJob Ausbildungsmesse

Foto: Wilhelm Mierendorf

Über zwei Tage informierten sich mehr als 3000 Schülerinnen und Schüler, Lehrer und Eltern bei der FirstJob Ausbildungsmesse über die Welt der Berufe – von Informationstechnik, kaufmännischen, technischen und handwerk­lichen Ausbildungen bis hin zu Kreativem, Sozialem oder Öffentlich-Rechtlichem. Wo bekommt man als junger Mensch so viele Unternehmen und Berufsbilder an einem Ort? Wo gibt es die Möglichkeit, auf einen Schlag Kontakte zu knüpfen und Adressen zu sammeln?

Susanne Koch, Leiterin der Arbeitsagentur Stuttgart: „Wir haben 350 Ausbildungsberufe in Deutschland und eine Vielzahl an dualen Studiengängen. Die Messe bietet die Chance, sich komprimiert und fundiert zu informieren und auf die Berufswahl vorzubereiten.“ Nie seien die Zeiten so gut gewesen wie heute, um einen passenden Ausbildungsplatz zu finden.

Seit einigen Jahren bestehe ein Bewerbermarkt, sagte Susanne Koch, also mehr Ausbildungsplätze als Schulabgänger. Insbesondere im technischen Bereich und im Handwerk suchen Firmen händeringend nach Azubis. Die Chefin der Arbeitsagentur rät, nicht immer nur auf die Top Ten der Ausbildungsberufe, sondern auch nach rechts und links zu schauen.

Lehrer führten Schüler in den Rundgang ein

Wichtig im Berufswahlprozess sind auch Eltern und Lehrer. Und Letztere führten, bevor die Messe die Türen öffnete, ihre Schüler – jeglicher Schulart – in den Rundgang ein. „Fragt, was den Beruf ausmacht. Das können die Aussteller viel besser beschreiben als wir“, erläuterte ein Berufsschullehrer das Vorgehen. Von der ersten Minute an ging es lebhaft in den Wagenhallen zu. „Das Interesse für unser Genre, den Tourismus, ist groß“, freute sich Andreas Benz von Schlienz-Tours. Das Busunternehmen/Mobilitätsdienstleister sucht serviceorientierte, aufgeschlossene junge Menschen, die querdenken können.

Die braucht es auch bei der Bundes- und der Landespolizei. „Es ist wichtig, bei der FirstJob präsent zu sein“, sagte Anette Wilke vom Polizeipräsidium Stuttgart. „Wir haben eine gute Bewerberlage, aber um Nachwuchs muss jeder werben.“ Am Stand seien Schüler verschiedener Schulformen und -stufen, sagte ihre Kollegin Charlotte Weller. Gefragt werde vor allem, welcher Schulabschluss nötig sei – und wie es um die sportlichen Voraussetzungen stehe.
Die Antwort: Ein Realschulabschluss mit einem Notenschnitt von mindestens 3,2 sei nötig für eine Ausbildung im mittleren Dienst. Wer ein duales Studium bei der Polizei anstrebt, der braucht mindestens ein Abitur mit der Note 3,0 oder die Fachhochschulreife.

Wer hoch hinauswill, war bei Mateco richtig, dem Spezialisten für Hebe- oder Arbeitsbühnen. Mit einer solchen konnten sich Interessierte – abgesichert im Klettergeschirr – bis an die Decke fahren lassen. Mit im Korb: Dominik Gautsche, Mechatroniker im Bereich Hebebühnen. „Der beste Beruf der Welt“ sei das.

Im Pflegebereich werden dringend Mitarbeiter gesucht

„Etwas mit Autos“ soll es sein, war vor allem von jungen Männern zu hören. Oder – vor allem von jungen Frauen – ein Beruf in der Pflege. „Ich will mit Kindern arbeiten“, sagte zum Beispiel Fatma, die mit der Paulinenpflege, dem Klinikum Stuttgart, Seniorenzentrum Martha Maria oder anderen Sozialunternehmen das Gespräch suchte. Das könne sie als Pflegefachfrau, antwortete eine Expertin. Nach dem Pflegeberufe­reformgesetz werden vom 1. Januar 2020 an die Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflegenden generalistisch ausgebildet. Im Pflegebereich werden, wie in vielen anderen Branchen, dringend Mitarbeiter gesucht. „Sie müssen Empathie, Sozialkompetenz, vor allem Freude an der Arbeit mit Menschen mitbringen!“, nannten die Berater der Unternehmen die notwendigen Voraussetzungen. Und: „Wir haben viele Anfragen!“

Eine der Interessentinnen war Yvonne. „Ich interessiere mich für kaufmännische Berufe in der Gesundheitswirtschaft.“ Aber sie hörte sich auch bei PS! Gastronomie um. Dort erklärte Sebastian Krov, was einen Koch oder eine Restaurantfachfrau beziehungsweise einen männlichen Bewerber erwarten: „Viel Abwechslung, Künstler­betreuung, Catering, keine Teildienste. Flexibilität ist das A und O, man muss Spaß an Service haben.“

Oliver Nothelfer, Geschäftsführer Stuttgarter Werbevermarktung, begeistert von der FirstJob Ausbildungsmesse

Als begeisterte Botschafterinnen ihres Berufs „Rechtspflegerin“ zeigten sich Jennifer Sommer und Jaqueline Beutler. „Er ist unglaublich vielfältig, spannend, erfüllend“, sagte Jennifer Sommer. Und ihre Kollegin beschrieb den Job so: „Wir führen Insolvenzverfahren, versteigern Grundstücke, beim Nachlassgericht eröffnen wir Testamente, wir pflegen das Grundbuchamt und das Handelsregister.“ Und bei der Bodenseewasserversorgung sind es eine Vielzahl an kaufmännischen und handwerklichen Berufen, die dort gelernt werden können. „Wir versorgen vier Millionen Menschen mit Wasser. Es ist das wichtigste Lebensmittel! Wir suchen Leute, die sich damit identifizieren können.“ Das ließ manche verharren. „So habe ich das nie gesehen“, sagte ein junger Interessent mit leuchtenden Augen.

Die Begeisterung der Besucher teilte auch Oliver Nothelfer, Geschäftsführer der Stuttgarter Werbevermarktung. „Grandios. Es zeigt, welch großen Bedarf es an Ausbildungsinformation gibt. Toll auch, mit welcher Aufmerksamkeit die jungen Menschen unterwegs sind“, sagte er.

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