Apps helfen in vielen Lebenslagen. Bei der Suche nach dem Weg oder beim Austausch mit Freunden. Auch für die Gesundheit können sie wertvolle Helfer sein. Ein paar Apps auf Rezept gibt es seit Oktober dieses Jahres. Von Julia Alber

Apps auf Rezept

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„Digitale Gesundheitsanwendungen“ (DiGA) heißen die erstattungsfähigen Apps, die das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) im sogenannten DiGA-Verzeichnis auflistet. Hilfe bieten sie etwa bei Tinnitus wie auch bei bestimmten Angststörungen, Arthrose oder krankhaftem Übergewicht. Wer von Ein- und Durchschlafstörungen betroffen ist, kann, unterstützt durch eine App, beispielsweise seine Schlafzeiten optimieren, den richtigen Umgang mit Gedanken erlernen, die den Schlaf behindern, und Entspannungstechniken einüben, die das Einschlafen fördern.

„Apps können bei Krankheiten überaus sinnvoll als Ergänzung zur ärztlichen oder psychotherapeutischen Behandlung sein“, sagt Marcel Weigand, Leiter Kooperationen und digitale Transformation UPD Patientenberatung Deutschland gGmbH. „Was sich auf der DiGA-Liste findet, wurde vom BfArM hinsichtlich all der Punkte auf Plausibilität geprüft, die Voraussetzung für eine Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung sind. Gefordert ist da unter anderem ein nachgewiesener positiver Versorgungseffekt.“

Das heißt, dass sich bei Nutzung der App eine Besserung des Gesundheitszustands bei den Patienten einstellt, oder diese besser mit ihrer Erkrankung umgehen können, sich deren Lebensqualität steigert. Diesen Nachweis müssen die Hersteller grundsätzlich spätestens nach zwölf Monaten erbringen, sonst fällt die App aus der Erstattungsfähigkeit wieder her­aus.

Apps auf Rezept: Über den Arzt oder die Krankenkasse

Auf zwei Wegen können gesetzlich Versicherte eine App auf Rezept erhalten. Da ist der Weg über Arzt oder Psychotherapeut, die bei entsprechender Diagnose ein rosa Rezept ausstellen, wie man es von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln kennt. Dieses Rezept reicht man bei der Krankenkasse ein, die die Anspruchs­voraussetzungen formell prüft und bei positivem Bescheid dem Patienten einen Rezept-Code mitteilt, mit dem sich die App kostenlos herunterladen lässt. Weg zwei geht gleich als Antrag auf Genehmigung an die Krankenkasse.

„Patienten sollten ihren Arzt oder Psychotherapeuten auf jeden Fall mit einbeziehen, wenn sie eine Gesundheits-App nutzen“, betont Weigand, damit diese sinnvoll in die anderen Behandlungsmaßnahmen integriert werden kann. „Wenn eine medizinische Indikation vorliegt, darf weder die Verordnung noch die Genehmigung per se verweigert werden“, merkt Marcel Weigand an.  Versicherte können sich in solchen Fällen bei der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung beschweren beziehungsweise bei ihrer Krankenkasse Widerspruch einlegen.

Hinsichtlich der Qualitätssicherung und Transparenz bieten die vom BfArM geprüften Apps den Patienten zwar ein Plus an Sicherheit im Vergleich zu frei verfüg­baren Apps. „Bezüglich Datenschutz und -sicherheit fänden wir von der Unabhängigen Patientenberatung allerdings eine inhalt­liche Prüfung wünschenswert“, so Wiegand und ergänzt, dass auch eine entsprechende Beratung für Patienten sinnvoll wäre, um nicht all jene auszuschließen, die nicht firm im Umgang mit digitaler Technik sind, aber von Apps profitieren könnten, wie ältere Menschen.

Mehr Infos unter http://www.diga.bfarm.de oder http://www.patientenberatung.de