Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes wird im Jahr 2060 jeder siebte Bürger 80 Jahre oder älter sein. Bereits in den nächsten beiden Jahrzehnten ist mit einem deutlichen Anstieg des Anteils älterer Menschen zu rechnen. Dieser Bevölkerungstrend wirkt sich auch auf den Arbeitsmarkt im öffentlichen Dienst aus – der größte Arbeitgeber Deutschlands braucht Personal. Von Brigitte Bonder

Arbeitsmarkt im Öffentlichen Dienst

Foto: Coloures-Pic/Adobe Stock

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung prognostiziert bereits ab dem Jahr 2020 einen dramatischen Einbruch der Zahl der Erwerbstätigen sowie Engpässe im Bereich qualifizierter Arbeitskräfte. Auch der Arbeitsmarkt im öffentlichen Dienst bekommt die Folgen des demografischen Wandels zu spüren, dazu zeigen sich Folgen des jahrelangen Personalabbaus. Nach aktuellen Schätzungen des Beamtenbunds (dbb) fehlen dem Staat mehr als 200 000 Beschäftigte, besonders in den Kommunalverwaltungen.

„Mitarbeiter im öffentlichen Dienst werden gesucht“, weiß Hanna Binder, stellvertretende Landesbezirksvorsitzende bei Verdi Baden-Württemberg. „Derzeit sind viele Kollegen im Alter zwischen Mitte fünfzig und Mitte sechzig, sodass auch in den nächsten Jahren noch großer Bedarf an Fachkräften bestehen wird.“ Die Ausbildung qualifizierten Personals und die Gewinnung motivierten Nachwuchses für den öffentlichen Dienst zählen daher zu den wichtigsten Aufgaben bei Bund, Ländern und Kommunen.

Ein wichtiger Grund für die Wahl eines Jobs im öffentlichen Dienst ist die Ausübung sinnvoller Tätigkeiten. „Es geht um Daseinsvorsorge und Bürgerservice“, erklärt Hanna Binder. „Die Mitarbeiter generieren daher einen Mehrwert für die Gesellschaft.“ Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst übernehmen wichtige Aufgaben des Staates, die Berufsbilder sind äußerst vielfältig. Der nichttechnische Dienst umfasst Verwaltungsarbeit, aber auch Polizei- und Justizvollzug. Im technischen Bereich finden sich Ingenieure, Naturwissenschaftler oder Feuerwehrleute. Derzeit sind rund 4,7 Millionen Menschen im öffentlichen Dienst beschäftigt, davon 10,4 Prozent im Bundesbereich, 50,4 Prozent bei den Ländern, 31,4 Prozent bei Kommunen und 7,8 Prozent bei Sozialversicherungen. Knapp 40 Prozent sind Beamte, Richter und Berufs- und Zeitsoldaten, über 60 Prozent sind Tarifbeschäftigte.

Arbeitsmarkt im öffentlichen Dienst: Stuttgart bietet interessante Jobs

Die Landeshauptstadt Stuttgart mit ih­ren mehr als 15 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bietet neben klassischen Verwaltungstätigkeiten des öffentlichen Dienstes auch interessante Arbeitsplätze beispielsweise für Architekten, Juristen, Köche, Erzieher, Ärzte oder Winzer. „Man kann beobachten, dass aktuell im Bereich des öffentlichen Dienstes grundsätzlich sehr viele Positionen ausgeschrieben sind“, erklärt Sabine Reichert vom Personalamt der Landeshauptstadt Stuttgart. „Und auch bei uns betrug die Quote der unbesetzten Stellen zum Ende des zweiten Quartals 2019 acht Prozent. Aufgrund des demografischen Wandels gehen wir davon aus, dass die Anzahl der unbesetzten Stellen auch in näherer Zukunft nicht zurückgehen wird.“ Wer sich jetzt für eine Ausbildung im öffentlichen Dienst entscheidet, hat daher gute Jobchancen.

Die Stadt Stuttgart selbst bietet über 40 Ausbildungsberufe und Studiengänge in den Bereichen Verwaltung und Wirtschaft, Technik/Natur/Umwelt, Soziales/Kinder/Jugend sowie Gesundheit und Pflege. Ausgebildet wird in Ämtern und Eigenbetrieben, also sowohl im Rathaus als auch bei der Branddirektion, in den Kitas, in den Bibliotheken, bei den Abfallwirtschaftsbetrieben, im Klärwerk, bei den Alten- und Pflegeheimen oder im Forst.

„Wir nehmen wahr, dass es immer schwieriger wird, Positionen zu besetzen“, zeigt Reichert die aktuellen Probleme auf. „Dies gilt insbesondere für die sogenannten Mangelberufe wie beispielsweise den IT-Bereich, bei Ingenieuren und beispielsweise auch im Bereich der Ärzte. In der Praxis spüren wir dies unter anderem auch daran, dass Stellen mittlerweile vereinzelt auch mehrfach ausgeschrieben werden müssen.“

Sicherheit des Arbeitsplatzes

Grundsätzlich ist die Gesamtzahl der Bewerbungen bei der Landeshauptstadt Stuttgart in vielen Bereichen rückläufig. „Allerdings erhalten wir zumeist noch eine ausreichende Anzahl an Bewerbungen“, sagt die Expertin für Personalmarketing bei der Landeshauptstadt. Die Herausforderung sei es jedoch, unter den Bewerbern den Kandidaten zu finden, der am besten auf die zu besetzende Position passt. Stuttgart wirbt daher mit attraktiven Arbeitsbedingungen um Fachkräfte. „Vor allem die Sicherheit des Arbeitsplatzes ist für viele Bewerberinnen und Bewerber ein sehr wichtiges Kriterium“, betont Reichert. „Darüber hinaus bietet die Landeshauptstadt viele weitere Vorteile wie unter anderem Familienfreundlichkeit, Mitarbeiter-Benefits wie Sportangebote, bezuschusste Firmentickets, individuelle Arbeitszeitmodelle, Standort­sicherheit und eine wertschätzende Unternehmenskultur.“

Diese Vorteile sind jedoch im öffentlichen Dienst nicht unbedingt selbstverständlich. „In vielen Fällen werden Mitarbeiter zunächst befristet eingestellt“, sagt Hanna Binder von Verdi. Die Vorgehensweise aus der freien Wirtschaft hat sich auch im öffentlichen Dienst etabliert. Doch es gäbe viele Arbeitgeber im Bereich des öffentlichen Dienstes, die vorausschauend planen und Mitarbeiter unbefristet einstellen. Steigt ein neuer Kollege beispielsweise im Rahmen einer Elternzeitvertretung ein, kann er später andere Lücken füllen, die zum Beispiel durch Ruhestandsregelungen entstehen.

Unternehmen aus dem öffentlichen Dienst bei der FirstJob Ausbildungsmesse

Mehr als 40 Aussteller sind bei der FirstJob Ausbildungsmesse der Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten am 18. und 19. Oktober jeweils von 10 bis 17 Uhr vertreten. Sie repräsentieren etwa 140 Berufe. Auch Unternehmen aus dem Öffentlichen Dienst, wie zum Beispiel die Agentur für Arbeit Stuttgart, die Bundespolizeiakademie, die Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg oder das Polizeipräsidium Stuttgart, sind an beiden Tagen in den Stuttgarter Wagenhallen vertreten. Mehr Infos zur Ausbildungsmesse unter www.FirstJob.stzw.info

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