Fortbildungen und Zielvereinbarungen sind Wege, um seine Aufstiegschancen im öffentlichen Dienst zu steigern. Diese stehen wegen des demografischen Wandels gut. So brauchen Kommunen zunehmend Nachwuchskräfte für Leitungsfunktionen. Der Weg zum Spitzenbeamten ist allerdings kaum planbar. Von Anja Schreiber

Aufstiegschancen im öffentlichen Dienst

Alexander Götz (rechts), hier mit Amtsleiter Meinhard Matzeit im Rechnungsprüfungsamt der Stadt Esslingen, nimmt an einem Programm für Nachwuchsführungskräfte teil, um seine Aufstiegschancen im öffentlichen Dienst zu steigern. Foto: privat

Auf dem Sprung zur Führungskraft ist auch der 42-jährige Alexander Götz. Er arbeitet beim Rechnungsprüfungsamt der Stadt Esslingen und nimmt am interkommunalen Führungskräftenachwuchsprogramm teil. „Momentan werde ich durch die Fortbildung darauf vorbereitet, Leitungsfunktionen zu übernehmen.“ Er will seine Aufstiegschancen im öffentlichen Dienst steigern.

Damit erweitert Götz seine methodischen, sozialen und Führungskompetenzen – vom Zeit- und Projektmanagement bis hin zur Kommunikation. „Das Besondere an meiner Fortbildung ist, dass die Teilnehmer unterschiedliche Hintergründe haben. Sie kommen aus dem Bau-, Sozial- und Finanzbereich verschiedener Kommunen. So ergeben sich interessante Netzwerkeffekte“, erklärt Götz. Nach seinem Abitur hat Götz zuerst Industriekaufmann gelernt und dann ein BWL-Studium abgeschlossen. Danach arbeitete er einige Jahre in der Wirtschaft im Bereich Controlling und wechselte dann in die Stadtkämmerei von Esslingen. Das brachte ihm gleich mehrere Vorteile: „Ich habe mich schon im Studium für das Thema ‚Recht‘ interessiert.“ Deshalb lag eine Arbeit im öffentlichen Dienst nahe. „Außerdem sind die Bedingungen bei der Stadt besser als bei meinem alten Arbeitgeber, denn die Stadt Esslingen bietet mit ihren Angeboten die besten Voraussetzungen, um eine Work- Life-Balance herzustellen.“

Auch inhaltlich entsprechen die Aufgaben von Alexander Götz nun mehr seinen Wünschen. „Inzwischen bin ich zum Rechnungsprüfungsamt gewechselt. Das hat wie der Bundesrechnungshof beim Bund Kon­trollfunktionen. Wir prüfen zum Beispiel den städtischen Jahresabschluss und kon­trollieren die Eigenbetriebe der Stadt.“ Von seinen Aufgaben ist er ganz begeistert. „Wir korrigieren nicht nur Fehler, sondern arbeiten auch präventiv. In unserem Amt kann ich offen mitdiskutieren.“ Diese Möglichkeit habe Götz bei seinem früheren Arbeitgeber in der freien Wirtschaft nicht gehabt.

Pensionierungswelle steigert Aufstiegschancen im öffentlichen Dienst

„30 Prozent unserer Mitarbeiter sind 55 Jahre oder älter“, berichtet Tina Hülle, Leiterin des Haupt- und Personalamts der Stadt Esslingen. Deshalb erwartet die Kommune in den nächsten Jahren eine große Pensionierungswelle. „Wir brauchen aus diesem Grund verstärkt auch neue Führungskräfte, die es unter Einbeziehung einer ausgewo­genen Frauenquote zu gewinnen gilt.“ Die Frauenquote liegt in Esslingen bei 70 Prozent aller Beschäftigten. Beträgt die Frauenquote auf Sachgebietsleitungsebene bereits 67 Prozent, sind Frauen in höheren Führungspositionen allerdings deutlich unter­repräsentiert – zum Beispiel sind derzeit nur 27 Prozent aller Amtsleitungen weiblich.

Grundsätzlich bietet die Kommune verschiedene Karrieremöglichkeiten: „So können Mitarbeiter durch Aufstiegslehrgänge vom mittleren in den gehobenen Dienst und vom gehobenen Dienst in den höheren Dienst aufsteigen“, erklärt Hülle. Auch ein berufsbegleitendes Studium sei im Einzelfall möglich. „Neben der Schornsteinkarriere gibt es die fachliche Karriere, bei der Mitarbeiter zum Fachexperten werden. Ein wichtiges Instrument der Personalentwicklung sind die Zielvereinbarungen in den Jahresgesprächen.“ Wer die anvisierten Ziele erreicht, erhält nicht nur eine Leistungsprämie, sondern auch die Chance, sich persönlich weiterzuentwickeln.

Auch die Landesebene bietet Karriereoptionen: „In den Ministerien arbeiten viele Beamte hauptsächlich im höheren Dienst, etwa Akademiker mit Masterabschluss“, er-klärt Thomas Straile, Personalreferent beim Innenministerium Baden-Württemberg. Allerdings stellt Straile eine Veränderung in der Zusammensetzung der Beamtenschaft fest: „Das Monopol der Juristen ist im Innenministerium inzwischen gebrochen.“ So gebe es mittlerweile eine größere Vielfalt an Fachrichtungen.

Chancen auf Führungspositionen

„Beamte des gehobenen Diensts bilden wir im Ministerium nicht aus. Diese rekrutieren wir aus den Kommunen und Regierungspräsidien“, berichtet Straile. „Das Besondere ist, dass unsere Mitarbeiter im gehobenen Dienst nahezu alle bis zum Oberamtsrat befördert werden können und damit die höchstmögliche Besoldungsgruppe erreichen.“ Nach einigen Jahren können diese Beamten mit Zusatzqualifizierung in den höheren Dienst aufsteigen. „Inzwischen ist zudem ein berufsbegleitendes Masterstudium möglich.“ Dies eröffnet weitere Karrierechancen im Ministerium. „Allerdings ist ein Aufstieg zum Spitzenbeamten, also zum Beispiel zur Abteilungsleitung oder zum Amtschef eines Ministeriums, nicht planbar.“

Wie individuelle Karrieren im öffent­lichen Dienst verlaufen können, zeigt das Beispiel von Astrid Rumler, seit 2018 Referatsleiterin Rettungsdienst im Innenminis­terium. Die 49-Jährige kommt ursprünglich aus Berlin: „Nach meinem zweiten juristischen Staatsexamen bin ich in den höheren Polizeivollzugsdienst der Berliner Polizei gegangen. Ich war dort unter anderem Abschnittsleiterin und damit Vorgesetzte von circa 140 Mitarbeitern.“ Aus persönlichen Gründen zog es sie dann in den Süden. Allerdings passte der Lebenslauf der Beamtin nicht zu den rechtlichen Vorgaben Baden-Württembergs. So wurde sie Referentin im Innenministerium – ohne Führungsaufgaben. Dann ergab sich die Gelegenheit, auf die Leitungsebene zu wechseln. „Durch meine Arbeit aus Berlin habe ich das Rüstzeug für eine Führungskraft mitgebracht.“

Heute ist Rumler für das Rettungsdienstgesetz und die Zusammenarbeit mit den Rettungsdiensten in den entsprechenden Gremien zuständig. „Die Arbeit macht mir viel Spaß, auch wenn ich schon schlaflose Nächte hatte. Gerade die Personalarbeit ist klasse.“ Rumler weiß, dass Frauen in Führungspositionen im Innenministerium noch unterrepräsentiert sind. Sie selbst ermutigt andere weibliche Beschäftigte im öffentlichen Dienst, ebenfalls den Weg zur Führungskraft einzuschlagen. „Viele Frauen glauben, dass sie nicht gut genug sind. Dabei habe ich bisher in meiner Laufbahn festgestellt, dass alle nur mit Wasser kochen.“ Angst, schlechter zu sein, brauchten Beamtinnen nicht zu haben.

Unternehmen aus dem öffentlichen Dienst bei der FirstJob Ausbildungsmesse

Mehr als 40 Aussteller sind bei der FirstJob Ausbildungsmesse der Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten am 18. und 19. Oktober jeweils von 10 bis 17 Uhr vertreten. Sie repräsentieren etwa 140 Berufe. Auch Unternehmen aus dem Öffentlichen Dienst, wie zum Beispiel die Agentur für Arbeit Stuttgart, die Bundespolizeiakademie, die Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg oder das Polizeipräsidium Stuttgart, sind an beiden Tagen in den Stuttgarter Wagenhallen vertreten. Mehr Infos zur Ausbildungsmesse unter www.FirstJob.stzw.info

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