Auf dem Kulturwasen Stuttgart können bis zu 2000 Menschen die Premiere des neuen Ballettabends „Response I“ feiern. Und eine Corona-Version von Mozarts „Die Zauberflöte“ gibt es auch.

Kulturwasen Stuttgart_

Roman Novitzky ist einer der Choreografen, die ein Stück für den Ballettabend „Response I“ geschaffen haben.  Foto: Stuttgarter Ballett/ Carlos Quezada

Nachdem die laufende Spielzeit 2019/20 anders verlief als geplant, gibt es zum Ende noch gute Nachrichten: Am 25. Juli wird die Premiere des neuen Ballettabends „Response I“ im Opernhaus vor einem begrenzten Publikum von 99 Personen gezeigt – unter Einhaltung der aktuellen Auflagen und Hygieneregeln – und zugleich auf die große Leinwand auf dem BW-Bank Kulturwasen übertragen. So kann zwar „Ballett im Park“ dieses Jahr nicht stattfinden, dafür gibt es aber „Ballett auf dem Kulturwasen“.

Auf dem Areal in Bad Cannstatt können rund 1000 Fahrzeuge parken und damit mehr als 2000 Menschen von ihrem Auto aus die Premiere live genießen. Der Eintritt zu Ballett am Kulturwasen ist kostenlos, die Gäste benötigen lediglich Platzkarten, die ab dem 8. Juli über die Website des BW-Bank Kulturwasen http://www.kulturwasen.de bestellt werden können. Dem Leitsatz „Ballett für alle“ bleibt das Stuttgarter Ballett damit auch in diesem Jahr treu – trotz der Coronakrise und dank Unterstützung der Porsche AG, die ihr Engagement als Hauptsponsor des Stuttgarter Balletts bis 2023 verlängert hat.

Ballettintendant Tamas Detrich ist hocherfreut über das erneuerte entgegengebrachte Vertrauen: „Durch diese Unterstützung von Ballett im Park haben seit 2012 bereits um die 50 000 Menschen eine Vorstellung des Stuttgarter Balletts umsonst genießen können. Das ist fantastisch.“

 „Something old, something new, something classic, something blue“

Der Ballettabend „Response I“ trägt den Untertitel „Something old, something new, something classic, something blue“ und vereint drei Uraufführungen der Stuttgarter Choreografen Fabio Adorisio, Roman Novitzky und Louis Stiens, flankiert von weiteren Tanz-Highlights. Dazu gehört Hans van Manens irrwitzig schnelles „Solo“ für drei Herren ebenso wie Edward Clugs mitternachtsblaue „Ssss…“ und Michel Fokines „Der sterbende Schwan“. Gezeigt werden außerdem Auszüge aus John Crankos Meisterwerk „Onegin“, darunter ein Pas de Deux, der getanzt wird von einem Paar, das in einem Haushalt lebt. Zu sehen sind ebenso Soli aus Kenneth MacMillans „Requiem“. Ein besonderes Glanzlicht krönt den Abend: Maurice Béjarts „Bolero“.

Nachdem zunächst der Trainings- und anschließend der Probenbetrieb unter Einhaltung der behördlichen Auflagen wieder aufgenommen werden konnte, hat sich Ballettintendant Tamas Detrich gleich ans Werk gemacht und einen Ballettabend konzipiert, der den Tanz zurück auf die Bühne holt und zugleich alle im Moment herrschenden Abstands- und Hygieneregeln während der Proben sowie während der Vorstellung berücksichtigt.

„Response I“ ist die Antwort des Stuttgarter Balletts auf die aktuelle Situation und zugleich Herausforderung für drei Choreografen aus den eigenen Reihen: Fabio Adorisio, Roman Novitzky und Louis Stiens, die im Auftrag von Detrich drei neue Stücke kreierten. Dafür haben sie sich nicht nur neue Arbeitsweisen erschlossen, sondern lassen diese auch direkt in ihre Stücke einfließen, sodass am Ende auch das Publikum zu neuen Sehgewohnheiten aufgefordert wird. Zugleich haben sie Musiktitel gewählt, die in kleiner Besetzung live gespielt werden können.

Kulturwasen Stuttgart: auch die Staatsoper Stuttgart ist dabei

Auch die Staatsoper Stuttgart wird sich auf dem Kulturwasen präsentieren: mit einer ganz besonderen Corona-Version von Wolfgang Amadeus’ „Die Zauberflöte“. Eine der zentralen Prüfungen, die Tamino und Papageno auf dem Weg in Sarastros merkwürdigen chauvinistischen Sonnenclub absolvieren müssen, ist dabei eine Art Kontaktsperre.

Und während der ja ohnehin etwas lockerere Papageno die Beschränkungen eher weit auslegt, hält Tamino sich ziemlich strikt an das angeordnete social distancing – zum Leidwesen Paminas, die darüber hinaus nicht einmal ahnt, dass sie gerade Teil einer Prüfungssituation ist. Wolfgang Amadeus Mozarts und Emanuel Schikaneders Zauberflöte war nie nur heilige Große Oper, sondern stand immer mit mindestens einem Bein im Volks- und Jahrmarkttheater.

Und so eignet sie sich auch bestens, um auf dem Kultur-Wasen personal- und spieldauerreduziert aufgeführt zu werden – in einer Fassung zwischen Live-Hörspiel und Autokino. Premiere ist m 27. Juni, gespielt wird bis zum 30. Juni.