Von A wie Autohaus bis Z wie Zahncentrum: Das Magazin Die Macher Extra präsentiert einen sehr vielfältigen Querschnitt an lokalen Händlern, Gewerbetreibenden, Gastronomen, Handwerkern oder Firmeninhabern aus der Region. Lesen Sie heute: Lokal einkaufen für ein lebendiges Umfeld. Von Dagmar Engel-Platz

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Foto: Adobe Stock/Jürgen Fälchle

„Bitte nehmen Sie sich eine Einkaufstasche, so haben wir einen Überblick, wie viele Kundinnen und Kunden gerade in unserem Laden sind.“ Neben den hübschen, handlichen Taschen stehen eine Flasche Desinfektionsmittel mit Druckverschluss und eine Tafel, die auf die Abstandsregel hinweist.  Endlich wieder im Buchladen nach einem Geschenk und für sich selbst nach neuem Lesestoff suchen. Dabei hilft die Buchhändlerin gerne. Man hat sich schon daran gewöhnt, durch die Maske etwas lauter und deutlicher zu sprechen. An der Kasse helfen Markierungen, den Abstand zu der Kundin oder dem Kunden vor einem einzuhalten. Nach dem Zahlen mit der Karte wird die geborgte Tasche am Ausgang abgestellt.

So geht Einkaufen in Corona-Zeiten. Ähnlich im Sportgeschäft. Die Laufschuhe wurden in den vergangenen Wochen mehr benutzt, als sonst üblich, deswegen müssen sie durch neue ersetzt werden. Der Verkäufer in der Laufschuhabteilung berät zwar gerade Kunden, ruft aber sofort nach einem Kollegen. Die Tochter einer Freundin hat an Ostern ein Baby zur Welt gebracht, das man demnächst bei einem Spaziergang von Weitem bewundern darf. Ein Fingerpüppchen aus dem Holzspielwarenladen soll Eltern und Kind Freude bereiten.

Auch das Einkaufen macht Freude. Die hübschen Sachen anschauen, in die Hand nehmen, in Ruhe auswählen und bei der Ladenbesitzerin nachfragen, wie es ihr in Corona-Zeiten geht. Natürlich konnte man bei ihr bestellen und die Ware geschickt bekommen. Aber es sei doch ganz anders, den Laden offen zu haben. Über die ökonomische Seite wird nicht gesprochen, sie ist aber zuversichtlich. Viele Einzelhändler kämpfen. Nicht erst seit dem Shutdown wegen dieses Virus, aber diese Situation hat die Probleme des Einzelhandels noch um ein Vielfaches verschärft.

„Lokale Geschäfte sind ein Stück Heimat“

Dabei geht es nicht nur um die Händler, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbst. Sondern es geht auch um die Lebensqualität in den Innenstädten, den Stadtteilen und Ortschaften und allem, was damit zusammenhängt. Wie öde sind die Fußgängerzonen und Einkaufsstraßen, wenn die Geschäfte geschlossen sind. Die Ständer vor den Läden fehlen, die Straßencafés die Stühle und Tische gestapelt und angeschlossen haben. Deshalb ist es nun ganz besonders geboten, den lokalen Einzelhandel zu unterstützen und dort einzukaufen, anstatt bei Amazon & Co. zu bestellen und sich die Ware bringen zu lassen.

„Gerade in den letzten Wochen hat sich wieder gezeigt: Die lokalen Geschäfte sind im wahrsten Wortsinne naheliegend“, sagt Sabine Hagmann, Geschäftsführerin des Handelsverbands Baden-Württemberg https://badenwuerttemberg.einzelhandel.de/de. „Sie sind das Gesicht der Stadt,  und sie sind ein Stück Heimat.  Sie stehen nicht nur für lebendige und attraktive Innenstädte, sondern sind oft jahrzehntelang in der  Region verwurzelt“.

Sie seien somit damit auch Garant für Arbeits- und Ausbildungsplätze sowie als Steuerzahler. „Nicht wenige der Unternehmen engagieren sich direkt vor Ort für Vereine,  Schulen oder andere gute Zwecke“, erinnert Hagmann. Die Stuttgarter Wirtschaftsförderin Ines Aufrecht sagt: „Es ist ganz wesentlich, dass die Bürgerinnen und Bürger aus Stuttgart und Umgebung hier einkaufen und die kulturellen Einrichtung nutzen, wenn das wieder geht.“ Nur so könne man ein lebendiges städtisches Umfeld haben, in dem sich Menschen wohl fühlen.

Die Macher Extra: Das Stadtleben Schritt für Schritt zurückerobern

Appelle richtet der Chef der City-Initiative Stuttgart (CIS), Sven Hahn, an die Bürgerinnen und Bürger in der Landeshauptstadt und der Region. Auf die Frage, warum man im lokalen Einzelhandel einkaufen soll, antwortet er: „Ganz einfach, weil es die Betriebe sonst nicht mehr lange gibt.“ Er verweist auf die hohen Fixkosten, die Geschäfte in der Stuttgarter Innenstadt haben.

Stadtleben macht die Mischung aus vielfältigen Geschäften von kleinen bis großen Läden, von Traditionsunternehmen bis Filialen globaler Konzerne, aus Dienstleistungsbetrieben, Cafés, Restaurants, Museen und vielen kulturellen Einrichtungen aus. Das gilt es, mit Bedacht, Schritt für Schritt zurück zu erobern. Der Onlinehandel macht dem lokalen Einzelhandel schon seit geraumer Zeit zu schaffen. Deshalb tun die lokalen Geschäfte viel dafür, Einkaufen und Shoppen einen Erlebnischarakter zu verleihen. Shoppen ist Teil der Freizeitgestaltung geworden, sagen Forscher.

Es wird mit Emotionen verbunden, alle Sinne werden angesprochen. Waren werden präsentiert, man kann sie sehen, anfassen, ausprobieren, beurteilen. Manche Läden bieten noch viel mehr: eine ansprechende Einrichtung, eine Cafè-Ecke oder gar ein Raumdesign, das einen als Kundin und Kunde staunen lässt. „Viele Kunden haben dieses unbeschwerte Schlendern und Einkaufen schmerzlich vermisst“, sagt Sabine Hagmann.

 „Der stationäre Einkauf ist immer besser als online zu kaufen“

„Deshalb sind auch die Händler froh, für ihre Kunden einfach wieder da und ansprechbar zu sein und aufgeschobene Einkaufswünsche wieder persönlich erfüllen zu können.“  Wer sich über Angebote und Aktionen der Einzelhändler vorab informieren möchte, findet auf den unterschiedlichsten Portalen im Internet Informationen. Für Stuttgart sind sie auf der Homepage der City-Initiative zu finden. Denn während des Lockdowns haben sich auch Händler, die vor der Krise wenig mit Digitalisierung zu tun hatten, dem Thema angeschlossen.

Noch zeigt es sich, und mancherorts wird befürchtet, dass der Lockdown Auswirkungen auf das Konsumverhalten der Menschen haben wird. Denn viele stellen in der Krise fest, dass man ganz gut mit Weniger zurechtkommen kann und, dass zum Beispiel der Klimawandel noch länger beschäftigen wird als die Pandemie. Aber auch das spricht dafür, bewusst lokal einzukaufen. „Der stationäre Einkauf ist immer besser als online zu kaufen“, sagt Sven Hahn, der sich dabei auf Studien der Uni Bamberg beruft.

Auch wenn die Maskenpflicht, die sowohl für die Kundinnen und Kunden als auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Handel eine Herausforderung ist, den Spaß bremst, ist es wichtig für alle, Schritt für Schritt die Städte wieder zu beleben. „Die Geschäfte haben sich bestens darauf vorbereitet, die dringend notwendigen Hygieneschutzmaßnahmen einzuhalten und den Einkauf unter diesen besonderen Bedingungen so erlebnisreich und reibungslos wie möglich zu gestalten“, sagt Sabine Hagmann.