Seit Beginn der Corona-Pandemie sind Familien enger zusammen­gerückt und haben häufiger denn je ein Gesellschaftsspiel auf den Tisch gebracht. Es zeichnet sich eine Renaissance der Brettspiele ab. Mehr als 300 deutschsprachige Neuheiten sind in den letzten zwölf Monaten erschienen. Von Brigitte Bonder

Die Renaissance der Brettspiele

Wir möchten gemeinsam etwas erleben – auch und gerade jetzt, wo wir einen Großteil unserer Zeit in den eigenen vier Wänden verbringen müssen. Dabei erleben wir eine Renaissance der Brettspiele. Ob Exit-Games, Strategiespiele oder Klassiker – bei der großen Auswahl ist für jeden Haushalt, jedes Alter und jede Spielerfahrung das Passende dabei. Der diesjährige Preisträger des „Spiel des Jahres“ ist „Pictures“ aus dem PD-Verlag https://www.pd-verlag.de/ . Ob Bauklötze, Schnürsenkel oder Symbolkarten – mit den enthaltenen Materialsets sollen Fotomotive so dargestellt werden, dass sie von den drei bis fünf Mitspielenden erkannt werden.

Je nach Aufgabe und Material ist das gar nicht so einfach und erfordert viel Abstraktionsvermögen. Die Ergebnisse sind überraschend, und oft wird die Raterunde zur Kunstausstellung. Die Jury urteilte: große Kreati­vität mit einfachsten Mitteln. Ebenfalls nominiert war „Nova Luna“ von Pegasus Spiele. Das abstrakte Puzzlespiel ist von den Regeln her einfach gehalten und sorgt für großen Grübelspaß. Abwechselnd müssen quadratische Plättchen so angeordnet werden, dass die geforderten Aufgaben möglichst effektiv erfüllt werden. Basis des Spiels ist eine clevere Kauftechnik, denn die Kosten für neue Plättchen zahlen die Spielenden mit Schritten auf der Mondleiste. Und den nächsten Zug hat immer, wer zuvor am sparsamsten war. Übrigens: „Nova Luna“ lässt sich auch besonders gut zu zweit spielen.

Ein mutmaßliches Muss für den Jahreswechsel kommt in diesem Jahr von Ravensburger. Bei dem neuen Gesellschaftsspiel „Dinner for One“ müssen zwei bis sieben Spieler Toasts auf das Geburtstagskind Miss Sophie aussprechen, Speis und Trank servieren und über den Tigerkopf hüpfen. Reihum schlüpfen die Spieler in die Rolle von Butler James und spielen die Szenen des kultigen TV-Sketches nach. Bei Fehlern drohen Schwips-Chips, für den zunehmend betrunkenen Zustand von James sorgen Getränkewunschkarten mit Sherry, Portwein oder Champagner. Die Lacher sind garantiert und sorgen für einen unterhaltsamen Abend. Gewonnen hat am Ende, wer am wenigsten Schwips-Chips besitzt.

Kultspiel „Catan“ feiert sein 25-jähriges Jubiläum

In diesem Jahr erleben auch einige Klassiker ihr Revival – teils in neuem Gewand. So feiert das Kultspiel „Catan“ aus dem Kosmos Verlag, das ursprünglich als „Die Siedler von Catan“ auf den Markt gekommen war, sein 25-jähriges Jubiläum. Weltweit wurden über 32 Millionen Exemplare verkauft, und sogar Prominente wie Mark Zuckerberg oder die Nerds aus „The Big Bang Theory“ spielen es regelmäßig. Einfache Regeln, Spannung und Würfelglück zeichnen „Catan“ aus. Dazu lässt sich das Spielfeld für jede Runde neu gestalten. Mit der Idee erzählt Erfinder Klaus Teuber die Geschichte einer Insel, die in der Wikingerzeit zu besiedeln ist. Daraus sind zahlreiche Erweiterungen, Kartenspiele und Varianten für Spielekonsolen und Tablets entstanden, viele Fans spielen auch online im Catan-Universum gegeneinander. Denn 25 Jahre nach der Premiere hat das Kultspiel nichts von seiner Faszination eingebüßt.

Mit einer witzigen Variante kommt in diesem Jahr der Brettspiel-Evergreen „Monopoly“ daher. Hasbro stellt mit „Monopoly für schlechte Verlierer“ die Regeln auf den Kopf, denn um richtig abzukassieren, müssen die zwei bis sechs Spielenden ab acht Jahren erst haushoch verlieren. Lästige Dinge, wie Miete zahlen oder ins Gefängnis gehen, werden mit Loser-Marken belohnt. Wer vier Marken hat, startet mit der übergroßen Mr.-Monopoly-Figur sein Comeback. Endlich macht das ewige Verlieren bei „Monopoly“ Spaß, und beim Familien-Spieleabend gibt es keine Tränen mehr.

Für alle Kniffel-Fans hat Schmidt Spiele jetzt das „Kniffel Dice Duel“ für ein bis vier Spieler ganz ohne Block herausgebracht. Es gelten die bekannten Regeln, allerdings gibt es für jede erreichte Kombination jetzt Punktechips. Das Highlight ist natürlich der Kniffel – ihn wollen nach wie vor einfach alle erwürfeln.  Wilden Kartenspaß garantiert seit über 30 Jahren das Spiel „Ligretto“. In Hochgeschwindigkeit versuchen zwei bis vier Spielende gleichzeitig, ihre Karten möglichst schnell loszuwerden und dazu auf die passenden Stapel in der Mitte abzu­legen. Schmidt Spiele hat mittlerweile eine Vielzahl an Varianten des Klassikers herausgebracht, ganz neu ist die Brettspielvariante. Hier müssen die Karten auf die passenden Felder des Bretts gelegt werden – natürlich von allen Spielenden gleichzeitig. Da sind Schnelligkeit und Übersicht gefordert!

Immer mehr Brettspiele bekommen digitale Erweiterungen

In Zeiten des Lockdowns mangelt es nicht selten an Spielpartnern. Der Verlag Asmodee hilft jetzt mit der Initiative „Connect&Play“ dabei, Brettspiele über Videochat mit Freunden zu spielen. Für bekannte Games wie das Ratespiel „Just One“, das Familienspiel „Dixit“ oder das millionenfach verkaufte „Dobble“ gibt es dazu konkrete Schritt-für-Schritt-Anleitungen. Dabei stützt sich die Initiative auf die Erfahrungen der im Frühjahr gestar­teten Kampagne „Print&Play“, dank der jeder kostenlos verschiedene Spiele her­unterladen, ausdrucken und spielen kann. Insgesamt wurden bis Ende September knapp vier Millionen Spiele heruntergeladen, besonders beliebt war neben „Dobble“, „Dixit“ und „Zug um Zug“ auch die „Unlock!“-Serie von Asmodee.

Bei diesen Escape-Games werden die Abenteuer über Karten gesteuert, eine kostenlose Begleit-App kann Hinweise geben und verrät den Spielern, ob sie richtig liegen. Ganz neu im Programm ist die „Star Wars Unlock!“-Box, bei der Spieler tief in die Galaxis eintauchen und in streng geheimer Mission unterwegs sind. Für alle, die in Corona-Zeiten allein zu Haus sind, fungieren jetzt digitale Sprachassistenten als Spielpartner. Beim Spiel des Jahres 2004 „Zug um Zug“ von Asmodee erklärt Alexa, wie Städte geschickt über Bahnstrecken miteinander verbunden werden, führt durch das Spiel oder ersetzt einen realen Mitspieler.