Heute schon geradelt? Da würde sich jeder in guter Gesellschaft befinden, denn immer mehr Menschen schwingen sich in den Sattel und treten kräftig in die Pedale. In Zeiten von Corona erlebt das Fahrrad eine Renaissance und ist das Verkehrsmittel der Pandemie. Von Elke Rutschmann

Renaissance des Fahrrads

Mit dem Rad kann man die eigene Region, die facettenreiche Natur oder aber einfach die eigene Stadt viel unmittelbarer und ganz neu erleben. Es half vor allem in den Zeiten des Lockdowns, den eigenen vier Wänden zu entfliehen, ohne sich in öffentlichen Verkehrsmitteln der Gefahr der Ansteckung auszusetzen. Das Rad war und ist ein Stück Freiheit in der Zeit der Einschränkungen. Eine Form zum Kraft tanken. Allein oder mit der Familie.

Studien belegen: Radfahren steigert das Wohlbefinden und die gute Laune. Das ist wichtig – vor allem in der Pandemie. Doch nicht nur mental tut das Radeln gut, das Dauertreten stärkt auch das Immunsystem, baut Muskeln auf und schont auch noch die Umwelt.  Der Handel meldet Rekordzahlen. Corona vermieste vielen Händlern zunächst den Saisonstart. Mittlerweile steigt die Nachfrage rasant.

Der Mai war der stärkste Monat, den die Branche laut Angaben vom Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) https://www.ziv-zweirad.de/ je erlebt hat. Die Bikeshops haben volle Auftragsbücher, die Wartezeiten für Reparaturen sind lang, und der Trend zum Urlaub im eigenen Land tut noch sein Übriges. Statt in eine Flugreise investiert man lieber in ein Bike.

Gefragt sind vor allem E-Bikes

Die Lust aufs Rad haben die Deutschen allerdings schon vor Corona entdeckt. Der Gesamtumsatz aller verkaufen Räder lag im vergangenen Jahr bei 6,3 Milliarden Euro. Gegenüber dem Jahr 2014 entspricht das einem Plus von 75 Prozent. 67 Prozent der Verkäufe werden im Fachhandel getätigt. Gefragt sind vor allem E-Bikes.

2019 war nach Angaben von ZIV jedes dritte abgesetzte Rad mit einer elektrischen Unterstützung ausgestattet. Sehr gefragt sind leichte Trekkingräder und das klassische Tourenrad. Der Trend geht zum edlen Schwarz. Auch das Image des Radfahrers als eher langweiligem Wochenendtourist hat sich extrem gewandelt.

Junge Städter geben viel Geld für individualisierte Räder aus, und alte Drahtesel werden gehegt, wie man es nur von automobilen Oldtimern kennt. Zudem gilt man als Radfahrer heute als modern und umweltbewusst. Radfahren ist weit mehr als nur ein Zeitgeistphänomen.

Renaissance des Fahrrads: Pop-up-Bike-Lanes als schnelle Lösung

Die Zahl derer, die das Rad zu ihrem Hauptverkehrsmittel machen, steigt und steigt. Bei der Infrastruktur kommt der Wandel hingegen nur sehr langsam in Gang, kritisiert der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) https://www.adfc.de/ . Die Radwege können mit dem neuen Trend nicht mithalten. „Umso mehr Fahrradfahrer unterwegs sind, desto wichtiger ist es, die Radwegenetze weiter auszubauen“, sagt Kathleen Lumma vom ADFC Baden-Württemberg.

Schnelle Lösungen könnten die Pop-up-Bike-Lanes sein. In Stuttgart wurden zwei dieser neuen Radwege innerhalb weniger Wochen geplant und umgesetzt. Je mehr Platz und Sicherheit auf den Straßen gewährleistet wird, desto attraktiver wird der Umstieg auf den Fahrradsattel. Die Hoffnung jedenfalls ist da, dass der Fahrradboom nachhaltig ist und der Verkehrswende noch mal so richtig Schwung gibt.