Weg mit der Kuscheldecke und rein in die Natur: Wenn der Frost auf den Dächern in der Sonne glitzert, dann ist es höchste Zeit für einen ausgiebigen Winterspaziergang. Schließlich sorgen Bewegung und frische Luft auch bei frostigen Temperaturen für gute Laune. Also dick einpacken, festes Schuhwerk nicht vergessen, und los geht’s! Die schönsten Winterspaziergänge in Stuttgart von Bianca Menzel

Winterspaziergänge in Stuttgart

Heslacher Blaustrümpflerweg: Der Stuttgarter Süden lässt sich am besten auf dem Blaustrümpflerweg genießen, auf exakt 7,5 Kilometern Länge. Für einen Spaziergang zu weit? Auf keinen Fall. Schließlich führt der Blaue Weg sowohl an der Zacke als auch an der Seilbahn vorbei. Bei einer Fahrt mit den beiden Bahnen kann man sich zwischendurch ausruhen. Die meisten Spaziergänger starten den Blaustrümpflerweg am Marienplatz. Von dort aus kann man direkt Gänsebraten und Gutsle abtrainieren und über die Else-Himmelheber-Staffel hoch zur Karlshöhe laufen. Belohnt wird man dann definitiv mit einer der schönsten Aussichten Stuttgarts.

Man kann das Feld aber auch von hinten aufrollen und steigt beim Marienplatz in die Zacke ein. Am Haigst ausgestiegen – hier empfiehlt sich auch ein kurzer Abstecher zum Santiago-de-Chile-Platz mit seinem herrlichen Ausblick –, führt der Blaue Weg lange durch den Wald. Ideal, um abzuschalten und die Natur zu genießen. Vorbei am Dornhaldenfriedhof kommt man schließlich zum Waldfriedhof, wo sich die Fahrt mit der historischen Seilbahn anbietet.

Vom Südheimer Platz führt der Blaustrümpflerweg dann wieder bis zum Marienplatz zurück. Wem die Puste ausgeht, der kürzt ab und steigt einfach in die U1, U9 oder U34 – und lässt sich zum Ausgangspunkt zurückfahren. Übrigens: Der Legende nach sollen die Heslacher 1519 den württembergischen Herzog Ulrich verraten haben. Zur Strafe mussten alle Heslacher sonntags zur Kirche ab sofort blaue Strümpfe tragen. Deswegen der Spitzname „Blau­strümpfler“.

Der Rössleweg verläuft durch Wald und Weinberge

Rössleweg: 1968 plante man in Stuttgart eine Südringtrasse von der Geroksruhe zur Doggenburg. Der Verschönerungsverein Stuttgart http://www.vsv-stuttgart.de/ kürte ein Teilstück dieser Trasse zum „Stuttgarter Höhenrundweg“ und markierte die Strecke mit einem Stuttgarter Rössle in einem gelben Ring – die Geburtsstunde des Rösslewegs. Bis 1980 wurde schließlich der Rest des Rundwegs angelegt, der im Westen Stuttgarts hauptsächlich durch den Wald verläuft, im Osten durch die romantischen Weinberge.

Ganze 54 Kilometer misst der komplette Weg – aber nein, die Strecke muss natürlich nicht am Stück abgelaufen werden. Im Gegenteil, es gibt wunderschöne Teilstrecken, die zu einem Spaziergang einladen. Zum Beispiel die Teilstrecke von Fellbach nach Obertürkheim mit fast sechs Kilometern Länge. Am besten man fährt hier von Untertürkheim aus mit der Buslinie 60 bis zur Haltestelle Steigstraße. Von hier aus führt ein Weg in die Weinberge, und man landet direkt auf dem Rössleweg. Dort zeigen sich die Stuttgarter Weinberge von ihrer schönsten Seite.

Vorbei an lauschig gelegenen Gärten erblickt man schließlich das Highlight des Wegs: die Grabkapelle. Und zwar von unten, was zur Abwechslung mal einen anderen Blickwinkel auf das beliebte Ausflugsziel bietet. Läuft man weiter, einfach immer der Rössle-Markierung nach, lässt sich immer wieder ein Blick auf Stuttgarts Fernsehturm erhaschen

Winterspaziergänge in Stuttgart: Parkseen laden zum Verweilen ein

Katzenbachsee und Steinbachsee: Der Katzenbachsee bei Stuttgart-Büsnau liegt idyllisch im Esslinger Spitalwald. Nein, es geht nicht durch Esslingen, sondern durch die Wälder auf der Gemarkung des Stuttgarter Stadtteils Vaihingen. Die Wälder an der Grenze zum benachbarten Landkreis Böblingen waren lange im Besitz des Esslinger Spitals. Heute gehören sie der Stadt Esslingen.

Der Katzenbachsee und der Steinbachsee liegen an der Außengrenze des Gebiets des Esslinger Spitalwalds. Sie sind quasi die kleinen, eher unbekannten Geschwister des Bärensees, aber deswegen nicht weniger schön. Hier parkt man am besten am Wanderparkplatz Katzenbacher Hof und läuft dann direkt zum Katzenbachsee oder Steinbachsee. Auch hier lässt sich der Spaziergang weiter ausdehnen: Man gelangt nach rund sieben Kilometern zum Schloss Solitude. Wer einfach nur den Charme der Seen und die Stille des Waldes genießen möchte, hält an einer der vielen Bänke am Ufer inne.

Parkseen mit Bärenschlössle: Eins, zwei oder drei? Eigentlich muss man sich gar nicht entscheiden. Denn gleich drei Seen laden rund um das beliebte Stuttgarter Bärenschlössle, ehemaliges fürst­liches Jagdschlösschen, zu einem idyllischen Spaziergang ein. Um die Parkseen namens Bärensee, Neuer See und Pfaffensee lässt sich im Grünen eine kleine Auszeit nehmen. Wer am Parkplatz Bärensee startet, läuft direkt auf den Pfaffensee zu. Wer schon mal in der Gegend ist, sollte auf jeden Fall auch einen Abstecher zum Wildschwein- und Rotwildgehege machen.

In Ostfildern lässt sich das ehemalige Gelände der Landesgartenschau erkunden

Am Bärenschlössle kann man dann die Seele baumeln lassen und die Füße hochlegen. Wer noch fit in den Beinen ist und ein Stückchen weitergehen mag, kann bis zum Schloss Solitude laufen. Auf dem Weg dorthin, beginnend am Bärensee, hält man sich am besten am Bernhardsbach. Hier passiert man Baumkunstwerke und einen idyllischen Naturteich. Schon gewusst? Die drei Parkseen waren nicht immer da. Auf Anordnung von Herzog Christoph wurde 1566 der Pfaffensee künstlich aufgestaut. Später folgten Bärensee und Neuer See, um die Stuttgarter Trinkwasserversorgung zu sichern.

Landschaftstreppen Ostfildern: Nun wagen wir uns noch weiter raus aus dem Kessel. Es geht mit der U7 oder U8 nach Ostfildern. Nach dem Ausstieg an der Haltestelle Kreuzbrunnen läuft man Richtung Landschaftstreppen – die langen weißen Treppen sind nicht zu verfehlen (Foto oben), auch wenn sie jetzt im Winter nicht so herrlich grün umrahmt sind wie auf dem Foto.

Am Fuße der Treppen beginnt der eigentliche Spaziergang. Hier geht es vorbei an den Generalbäumen und dem ehemaligen Gelände der Landesgartenschau, wo immer noch die „Sitz-und Flitzhasen“ der Stuttgarter Künstlerin Rosalie stehen. Hält man sich links, kommt man auf eine Pferdekoppel zu. Weiter rechts durch Baum­alleen geht es bis zu den Talwiesen nach Ruit. Wer die linke Abzweigung nimmt, gelangt zum Amortempel, einem kleinen Rundtempel, den Herzog Karl Eugen 1783/84 erbauen ließ.