Es gibt wohl niemand, der gerne zum Zahnarzt geht. Beim Gedanken an das Bohren oder Zähneziehen beschleicht die meisten ein mulmiges Gefühl. Doch diese Angst ist heutzutage eigentlich unbegründet. Unsere Fokus Medizin-Autorin Corina Wießler weiß mehr.

Heutzutage stehen dem Fachmann eine Reihe an moderner Betäubungstechniken zur Verfügung, um anschließend nahezu schmerzfrei behandeln zu können. Bei einigen Menschen ruft allerdings allein schon der Anblick einer Spritze blanken Horror hervor. In solchen Fällen können Zahnärzte einen Zwischenschritt einlegen, informiert Kai Fortelka von der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) https://www.kzbv.de/ in Berlin.

„Der Behandler betäubt zuvor das Zahnfleisch und die Mundschleimhaut mit einem Spray, einer Lösung oder Salbe. Diese Art der Betäubung wird vor allem bei Kindern, aber auch bei Angstpatienten angewandt, um den Einstichschmerz der nachfolgenden Spritze zu umgehen.“ Doch für die Behandlung selbst reicht die Oberflächenanästhesie allein nicht aus.

„Da kommen eben wirksamere Methoden zum Einsatz“, sagt der KZBV-Sprecher. So injiziert der Zahnarzt bei einem Zahnwurzel-Eingriff die Betäubungslösung direkt in Höhe der Zahnwurzelspitze unter die Schleimhaut. Die Infiltrations­anästhesie dringt in den Knochen ein, Fachleute sagen auch, sie infiltriert den Knochen. Die Nerven von ein bis zwei Zähnen werden dabei nach etwa ein bis drei Minuten sediert.

Hypnose wird immer beliebter

Sollen ein oder mehrere Backenzähne im Unterkiefer behandelt werden, gibt der Zahnarzt eine Leitungsanästhesie. Er injiziert hierbei die Betäubungslösung in die Nähe des Unterkiefernervens. Die gesamte „Leitungsbahn“ auf einer Kieferhälfte wird damit betäubt. Das Taubheitsgefühl erstreckt sich bis in die Unterlippe. Zusätzlich kann sich auch die Zungenhälfte der entsprechenden Seite taub anfühlen.

Bei der intraligamentären Anästhesie spritzt der Arzt mithilfe einer sehr dünnen Nadel und einer speziellen „Druckspritze“ direkt zwischen den Zahn und das umgebende Fleisch bzw. den Knochen ein. Mit dieser Methode betäubt er jeden Zahn einzeln. Das Injizieren kann einige Minuten dauern, denn um nicht zu viel Druck aufzubauen, spritzt der Behandler sehr langsam und gibt dabei nur wenig Lösung ab.

Immer beliebter wird die Behandlung in Hypnose. Entsprechend der Definition der Deutschen Gesellschaft für Zahnärztliche Hypnose (DGZH) ist damit ein zumindest schmerzgeminderter Eingriff in fast allen Fällen möglich. Da sie jedoch nur in Tiefentrance und lediglich bei etwa zehn Prozent der Patienten eine völlige Schmerzfreiheit herstellen kann, ist in den übrigen Fällen eine kombinierte Behandlung mit Beruhigungsmitteln angeraten.  Als Alternative zur Hypnose gelten Mind Machines. Dabei handelt es sich um Brillen mit elek­tronischtronisch gesteuerten Leucht­dioden, die die Gehirnfrequenz beeinflussen und einen hypnoiden Zustand erzeugen.

Fokus Medizin: Dämmerschlaf als sanfte Alternative zur Hypnose

Auch hier blendet der Patient unangenehme Empfindungen aus. Manche Praxen bieten den Dämmerschlaf als sanfte Alternative zur Hypnose: Dabei wird der Patient in einen angenehmen Dämmerzustand versetzt, in dem Ängste und Schmerzen ausgeschaltet sind. Die Sedativa werden über einen venösen Zugang am Arm verabreicht. Auch Lachgas kann betäuben. Das Verfahren stammt aus dem 19. Jahrhundert.

Dank moderner und vor allem sicherer Geräte wird es wieder vermehrt eingesetzt. Über eine spezielle Atemmaske erhält der Patienten zunächst reinen Sauerstoff und in aufsteigender Konzentration Lachgas, bis die Sedierungstiefe ausreichend ist. Die Wirkung tritt innerhalb von Minuten ein. Dann kann die Spritze für die lokale Betäubung gesetzt werden.  Brasilianischen Forschern ist es gelungen, Zähne und Zahnfleisch durch sanften Strom zu betäuben. Der nur leicht kribbelnde Strom bringt das Lokalanästhetikum unter die Haut und sorgt so für eine ausreichende Schmerzblockade der gewünschten Stelle.

Helfen weder Ablenkung noch Hypnose, ist eine Vollnarkose eventuell die einzige Lösung für die Gebiss-Sanierung. Sie muss aber von ausgebildeten Anästhesisten eingeleitet und überwacht werden. Und sie ist viel risiko­reicher als die lokale Betäubung. Deshalb sollten sich Patienten dafür erst entscheiden, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind und sich als nicht nutzbar entpuppt haben.

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