Ein Freiwilliges Soziales Jahr dient der Orientierung und kann ein Sprungbrett in den Beruf sein. Die Einsatzstellen sind vielfältig und reichen vom Kindergarten über Pflegeheime bis zum Sport. Von Elke Rutschmann

Freiwilliges Soziales Jahr

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Der Schritt aus dem Klassenzimmer hinaus in die Berufswelt kann herausfordernd sein. Manche Schulabgänger haben vielleicht schon eine grobe Idee von ihrer beruflichen Zukunft, andere fangen bei null an. Jugendliche, die in diesem Jahr ihren Abschluss machen, haben zudem eines gelernt: flexibel zu bleiben. Neben wenig Präsenzunterricht gab es auch kaum Angebote zur Berufsorientierung, und es stellt sich die Frage, je nach Abschluss, ob es auf eine weiterführende Schule, in eine Ausbildung oder ins Studium gehen soll. Direkt ins Berufsleben zu starten ist aber nicht für alle eine Lösung. Ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) kann helfen, Zukunftspläne zu konkretisieren.

Rund 50 000 junge Menschen entscheiden sich in Deutschland jährlich für ein FSJ, das seit 1964 angeboten wird. Der eine erlebt dabei bewegende Momente, der andere verabschiedet sich von seinem Traumjob oder findet gerade im FSJ das Sprungbrett in den künftigen Beruf. Die Regeldauer liegt bei 12 Monaten. Zeit genug, um einen Einblick in viele interessante Berufsfelder zu bekommen, und die Chance, sich auszuprobieren.

Voraussetzung für einen öffentlich geförderten Jugendfreiwilligendienst ist, dass die Bewerber einen Schulabschluss mitbringen und zwischen 16 und 26 Jahre alt sind. Die finanzielle Gestaltung ist von der jeweiligen Trägerorganisation abhängig und bewegt sich in einem Rahmen von 150 bis 450 Euro im Monat. Dabei bekommen die Freiwilligen beziehungsweise ihre Familie aber weiterhin Kindergeld. Außerdem sind sie beitragsfrei in der gesetzlichen Kranken-, Renten-, Unfall-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung versichert.

Freiwilliges Soziales Jahr auch in der Denkmalpflege oder im Theater möglich

Helfen kann man an vielen Orten. Nicht nur in Krankenhäusern, Pflegeheimen oder Schulen, sondern auch in der Denkmalpflege und im Theater. Und wer sich und andere gern bewegt, macht ein FSJ im Sport. Große Nachfrage herrscht nach wie vor bei Plätzen im Kindergarten oder in der Schule.

Ein Großteil der Freiwilligen sucht sich aber auch Stellen unter Gesichtspunkten der Berufsplanung, der Nähe zum Heimatort oder der Neugier aus, mit einer bestimmten Gruppe von Menschen zu arbeiten und sich für diese zu engagieren. Man kann sich die Zeit als eine Art Ausbildung light vorstellen, in der man sich in einer neuen Umgebung zurechtfinden, sich in ein neues Aufgabengebiet einarbeiten und unter Umständen bereits von zu Hause wegziehen kann.

2019 haben sich in Baden-Württemberg 13 791 junge Frauen und Männer für ein FSJ entschieden – ein Jahr später waren es 13 978. Der leichte Anstieg liegt daran, dass wegen der Corona-Pandemie geplante Auslandsaufenthalte oder Freiwilligendienste im Ausland nicht stattfinden oder Ausbildung oder Studium nicht, wie geplant, begonnen werden konnten. Deshalb haben sich viele Jugendliche umorientiert.

Herausforderung: Bildungsseminare von analog auf digital umstellen

Für die Träger war es unter Corona eine große Herausforderung die vorgeschriebenen Bildungsseminare von analog auf digital umzustellen. Das Programm wird vom Träger organisiert, aber auch von den FSJ-lern mitgestaltet. Die jeweiligen Einrichtungen standen vor dem Dilemma, die Freiwilligen nicht einem Risiko der Ansteckung auszusetzen und sie trotzdem sinnvoll einzusetzen. Für die FSJ-ler wiederum überwog die Sorge vor Ansteckung und den richtigen Umgang mit den anvertrauten Personen.

Angebote im Ausland fanden so gut wie nicht statt. Doch das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration https://sozialministerium.baden-wuerttemberg.de/de/startseite/ macht Hoffnung, dass ab Herbst wieder coronakonforme Entsendungen möglich sein könnten. „Die Träger bieten diesbezüglich für Inter­essierte regelmäßige, transparente und offene Kommunikation zum jeweils gültigen Stand der Covid-19-Situation im Partnerland an“, sagt eine Sprecherin des Ministeriums. Zu den öffentlich geförderten Programmen zählen unter anderem der entwicklungspolitische Dienst „weltwärts“, der Internationale Jugendfreiwilligendienst „kulturweit“ und das Europäische Solidaritätskorps.