Das Paradies vor der Haustür. Oder auch: Gartenliebe in Corona-Zeiten. Der eigene Garten hat sich in der Corona-Krise zu einem Rund-um-Wohlfühlort für die ganze Familie entwickelt. Davon profitieren auch die Garten- und Landschaftsbauer. Von Ingo Dalcolmo

Gartenliebe in Corona-Zeiten

Foto: shaiith – stock.adobe.com

„Immer mehr Menschen haben in der Corona-Krise erkannt, wie wertvoll der eigene Garten als Ort der Erholung und Entspannung ist“. Reiner Bierig muss man das nicht zweimal sagen. Der Geschäftsführer des Verbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg https://www.galabau-bw.de/default-bw.aspx ist schon von Berufswegen ein Gartenfan. „Im eigenen Garten können die Menschen herunter kommen wie im Urlaub“, sagt der Experte, der sich am liebsten unter dem Apfelbaum in seinem Garten von der Arbeit bei einem guten Buch erholt.

Wen wundert es ob dieser allerorts aufkommenden Gartenliebe, dass gerade in Zeiten von Kontakt-Einschränkungen die Heimwerker-, Bau- und Gartenmärkte einen großen Zuspruch finden. Doch nicht jeder hat das Talent oder auch die Zeit, einen Gartenteich anzulegen oder eine Terrasse mit Natursteinen zu pflastern. Davon profitieren die Garten- und Landschaftsbauer.

Vor allem jene Betriebe, die vorwiegend Privatgärten gestalten, sind derzeit trotz Krise gut ausgelastet. Das liegt einerseits an der zusätzlichen Nachfrage, andererseits nutzten in den letzten Wochen viele Betriebe die Gelegenheit, ihren Auftragsstau vom letzten Herbst noch abzuarbeiten. „Glücklicherweise durften unsere Betriebe arbeiten. Natürlich unter Einhaltung aller Hygienevorschriften“, betont Reiner Bierig.

Gartenliebe in Corona-Zeiten bei Privatleuten, Gewerbekunden hingegen legen Aufträge auf Eis

Manche Betriebe haben ihre Abläufe komplett umgestellt, Arbeitskolonnen verkleinert oder lassen zeitversetzt arbeiten. „Natürlich verlangt niemand von den Mitarbeitern, dass sie beim Verlegen von Steinen eine Maske tragen.“ Anders sei das aber im direkten Kundenkontakt. „Unsere Betriebe sind da sehr gewissenhaft und verantwortungsbewusst. Es kommt darauf an, das richtige Maß zu finden“.

Anders sieht es allerdings bei jenen Garten- und Landschaftsbaubetrieben aus, zu deren Kunden vorwiegend die öffentliche Hand oder das Gewerbe gehören. In den zurückliegenden Jahren wurde gerade in den Kommunen bei den öffentlichen Grünanlagen gespart. Und viele Unternehmen haben in Anbetracht der aktuellen Krise ihre Aufträge für Grünanlagen erst einmal auf Eis gelegt. Ein weiterer Rückgang der öffentlichen Aufträge wäre für viele Betriebe in diesem Sektor existenzbedrohend.

Reiner Bierig hat die Sorge, dass ob der anhaltenden Pandemie und der vielen Finanzhilfen bei den politischen Entscheidungsträgern die grüne Stadt unter den Tisch fallen könnte. Dann könnte die Not zu einem ruinösen Preiskampf führen, der niemand nütze.  Doch noch hat er die Hoffnung, dass die Politik nicht nur Gelder in diejenigen Betriebe steckt, die Probleme haben, sondern auch mit einem Konjunkturprogramm jene Unternehmen in Baden-Württemberg stärkt, in denen Beschäftigung vorhanden ist. Reiner Bierig gibt sich kämpferisch: „Wir werden die Politik notfalls an ihre Verantwortung für eine gute grüne Infrastruktur in den Städten erinnern.“

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