Vor genau 50 Jahren wurde die erste Folge des „Tatort“ ausgestrahlt. Bis heute sind die Erstausstrahlungen Momente, in denen Menschen aus ganz Deutschland vor ihren Bildschirmen zur Familie werden. Von Gabriele Metsker

50 Jahre "Tatort"

Irgendwie scheint das heute fast unvorstellbar: Als 1970 der erste „Tatort“ über den Bildschirm flimmerte, sahen zehn Millionen Bürger der alten Bundesrepublik noch gar nicht fern. Ganz einfach deswegen, weil sie noch kein Fernsehgerät besaßen. Wer sich 2020 einen „Tatort“ ansehen möchte, der muss nicht unbedingt bis Sonntagabend nach der „Tagesschau“ warten, sondern hat über Internet und Social Media (siehe nebenstehender Kasten) vielerlei Möglichkeiten, sich eine Folge auszusuchen. 50 Jahre „Tatort“, das sind fünf Jahrzehnte, in denen sich vieles verändert hat, allerhand jedoch auch gleich geblieben ist. Eine wandlungsfähige Konstante, wenn man so will.

Von Anfang an ist es die Idee der Reihe „Tatort“ gewesen, die Form der Kriminalgeschichte mit regionalen Eigenheiten zu verknüpfen und beim Erzählen auch gesellschaftliche Wandlungen zu reflektieren. Das wird durch die verschiedenen Ermittler und Erzählformen umgesetzt. Dieser Grundgedanke kam Gunther Witte, von 1979 bis 1998 Fernsehspielchef beim WDR und Erfinder des „Tatort“, bei einem Parkspaziergang. Nahezu gleich geblieben ist auch seit der Ausstrahlung der ersten Folge der von BR-Redakteur Peter Hoheisel kreierte Vorspann mit dem Augenpaar von Horst Lettenmayer und der Musik von Klaus Doldinger.

Fast 1150 Folgen mit insgesamt 148 Ermittelnden sind seither gedreht und gezeigt worden. Aktuell sind 22 Ermittlerteams im Einsatz. An den beiden Sonntagen 29. November und 6. Dezember gibt es jeweils um 20.15 Uhr eine Jubiläums-Doppelfolge, bei der zwei Teams gemeinsam einen Fall lösen, „In der Familie“: die Münchner Ivo Batic, Franz Leitmayr und Kalli Hammermann (Miroslav Nemec, Udo Wachtveitl und Ferdinand Hofer) zusammen mit den Dortmundern Peter Faber, Martina Bönisch, Nora Dalay und Jan Pawlak (Jörg Hartmann, Anna Schudt, Aylin Tezel, Rick Okon).

Die höchste Einschaltquote hatte die Folge „Nachtfrost“ mit Klaus Schwarzkopf

Ivo Batic und Franz Leitmayr sind übrigens die beiden Ermittler, die in der „Tatort“-Historie bislang am meisten Fälle aufgeklärt haben: 85 an der Zahl. Platz zwei belegen ihre Kollegen aus Köln Max Ballauf und Freddy Schenk (Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär) mit 79 Einsätzen. Platz drei gehört mit 71 Fällen SWR-Hauptkommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts). Sie ist seit 1989 im Einsatz und damit die dienstälteste Kommissarin der Reihe. Sie schuf zudem mit ihren Auftritten ein neues weibliches Rollenbild, geprägt von Energie und Selbstbewusstsein.

Die allererste weibliche Ermittlerin hieß Marianna Buchmüller, gespielt von Nicole Heesters. Sie löste zwischen 1978 und 1980 insgesamt drei Fälle in Mainz. Die höchste Einschaltquote hatte die Folge „Nachtfrost“, ausgestrahlt am 20. Januar 1974 mit Klaus Schwarzkopf als Kommissar Finke. 76 Prozent der Fernsehhaushalte ließen sich damals diesen Fall nicht entgehen. Die absolut gesehen meisten Zuschauenden hatte indes „Rot – rot – tot“ vom damaligen SDR mit Curd Jürgens (Foto links, mit Sebastian Strecker und Werner Schumacher rechts als Kommissar Eugen Lutz) am Neujahrstag 1978 mit 26,57 Millionen Menschen am Bildschirm. Legendär ebenso der Tatort „Reifezeugnis“ mit Nastassja Kinski und Christian Quadflieg am 27. März 1977 mit 25,05 Millionen.

In jüngster Zeit ist besonders das Team aus Münster mit Hauptkommissar Frank Thiel und dem Rechtsmediziner Professor Karl-Friedrich Boerne (Axel Prahl, Jan-Josef Liefers) sehr erfolgreich. Die beiden sind seit 2002 am Start. Seit 2013 lösen sie in der Regel zwei Fälle pro Jahr und locken damit immer mindestens zwölf Millionen Zuschauende vor die Geräte – stets die meistgesehene Sendung des Jahres, abgesehen von den Fußballspielen der Nationalmannschaft. Unvergessen sind zahlreiche andere Ermittler, wie etwa Götz George als Duisburger Kriminalhauptkommissar Horst Schimanski, der bei einer Emnid-Umfrage 2008 mit einer Quote von 37 Prozent zu deren beliebtestem Ermittler gewählt wurde. Die Folge „Zahn um Zahn“ aus dem Jahr 1987 wurde sogar im Kino gezeigt.

Tatort auf Abruf

http://www.tatort.de Infos über alle Fälle und alle Kommissare, News, Hintergrundinformationen sowie aktuelle Videos und Vorschauen.

http://www.ardmediathek.de/ard/tatort Zum Jubiläum bekommt der „Tatort“ einen eigenen Auftritt in der ARD-Mediathek mit allen verfügbaren Videos (Untertitel für Hörgeschädigte, Audiodeskription für Menschen mit Sehbehinderung).