Bei der Ausbildungsmesse Hands up 2020 im Stuttgarter Rathaus können sich Interessierte am 14. und 15. Februar über 130 Handwerksberufe informieren. Unsere Sonderbeilage gibt einen Überblick über alle wichtigen Informationen rund um die Messe. Lesen Sie heute: Luisa Blattner, eine der ersten Ausbaumanagerinnen Deutschlands, über den neuen Ausbildungsberuf im Stuckateurbereich. Von Corinna Pehar

Eigentlich habe sie ja mit dem Beruf der Raumausstatterin geliebäugelt, erzählt die quirlige 23-Jährige. Ihre Familie blicke allerdings auf vier Generationen im Stuckateurhandwerk zurück. „Ich habe lange überlegt, ob ich im elterlichen Betrieb einsteigen soll, da mein Bruder es nicht wollte“, sagt Luisa Blattner. Klar war immer, dass es etwas Handwerkliches sein soll: „Ich habe schon immer gebastelt, zum Beispiel ein Häuschen für meinen Hasen“, betont sie lachend.

Mit dem Abitur in der Tasche, habe sie sich schließlich für die 3,5-jährige Ausbildung als Ausbaumanagerin und somit für den elterlichen Betrieb, die Christian Gröber GmbH in Obertürkheim, entschieden: „Die Berufsausbildung gibt es erst seit vier Jahren und ist deshalb noch nicht so bekannt.“ Darauf gestoßen sei sie durch ihren Papa Hermann Blattner, der aktiv im Verband tätig ist. Bedingung für die Ausbildung sind Abitur oder Fachhochschulreife, und das Besondere ist: Man macht in 3,5 Jahren nicht nur seinen Gesellen, sondern auch gleich den Meister. Zudem kann man noch den Titel des Gebäude- und Energieberaters oben drauf setzen.

Genau diesen Weg wollte Luisa Blattner einschlagen, doch ihre Gesundheit hat ihr erst einmal einen Strich durch die Rechnung gemacht: „Ich habe mir bei einem Sägekurs eine Sehnenscheidenentzündung zugezogen und konnte meinen Meister nur halb fertig machen“, bedauert die junge Frau. Die Erkrankung wurde schlimmer und obendrein falsch behandelt, sodass sie den zweiten Teil der Meisterprüfung verschieben und ihren Arm länger schonen musste.

„Es gibt nichts Besseres, als das Raumgefühl zu verändern“

„Zum Glück gibt es hier keine zeitliche Beschränkung, da hab ich mir gedacht, ich fang einfach gleich an zu studieren“, verdeutlicht Luisa Blattner, „das wollte ich schon immer, jetzt schiebe ich die drei Jahre einfach jetzt schon ein.“  Bereits jetzt, im ersten Semester der Innenarchitektur, spüre sie, dass es genau die richtige Entscheidung gewesen sei. Mit ihrer Studienwahl schließe sich einerseits der Kreis zu ihrem ursprünglichen Wunsch, Räume auszustatten. Zudem würden immer mehr Kunden nach Komplettlösungen verlangen. „Wir werden hier im Betrieb oft gefragt, ob wir auch Möbel machen oder uns um Vorhänge kümmern können“, sagt die Studentin. Jungen Leuten möchte sie den Weg ins Handwerk unbedingt empfehlen.

Eine Ausbildung stärke vor allem die Persönlichkeit: „Man ist mehr oder weniger auf sich gestellt und muss schauen, wie man zurechtkommt.“ Das Tolle sei außerdem, dass man am Ende des Tages sehen könne, was man am Tag geschafft hat: „Ich freue mich immer, wenn ich aus einem hässlichen Raum etwas Schönes gemacht habe.“

Genau das sei auch das Salz in der Suppe dieses Berufes: „Es gibt nichts Besseres, als das Raumgefühl zu verändern“, schwärmt die Ausbaumanagerin, die auch kürzlich ihre eigene Wohnung komplett nach ihren Wünschen selbst renoviert hat. „Ich habe mich für Kalkputze in Grau, Weiß und Altrosa entschieden – das Material nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie wieder ab und sorgt daher für ein tolles Raumklima.“ Ein Highlight ist in ihrer Toilette zu finden: „Hier hab ich mich an einer Bronzespachteltechnik ausgetobt“, schwärmt die 23-Jährige.

Hands up 2020: Im Handwerk geht es immer weiter

Für viele bedeute der Beruf des Stuckateurs, dass die Arbeit dreckig ist: „Aber das ist nur die eine Seite, die andere ist sehr kreativ und künstlerisch.“ Genau dieser Aspekt würde immer mehr Frauen ansprechen.  Als Frau in einem typischen Männerberuf hat Luisa eigentlich nur positive Erfahrungen gemacht: „Klar wird auf der Baustelle mehr geguckt, oder man hört mal einen Spruch, aber nie etwas Schlimmes – das ist alles halb so wild.“ Mittlerweile arbeite sie sogar lieber mit Männern zusammen, ergänzt sie lachend.

Auch hinsichtlich der politischen Entwicklung sieht Luisa Blattner im Handwerk eine zunehmend bessere Zukunft als in anderen Bereichen wie zum Beispiel der Automobilbranche: „Wenn ich von meinen Freundinnen, die bei Bosch eine Ausbildung machen, höre, dass es einen Einstellungsstopp gibt, sage ich: Im Handwerk geht es immer weiter!“ Man könne sich stets weiterentwickeln, müsse nicht für immer auf der Baustelle arbeiten: „Man kann sich sehr gut hocharbeiten im Handwerk – sei es ins Büro, zu mehr Kundenkontakt, man kann sich selbstständig machen oder auch in die Industrie gehen.“

Luisa hat sich dazu entschieden, nach ihrem Bachelor erst einmal ein, zwei Jahre in einem anderen Betrieb zu arbeiten und dann bei den Eltern einzusteigen. Dass sich ihr 21-jähriger Bruder Christian Blattner nun auch noch für denselben Ausbildungsweg wie Luisa entschieden hat, sichere die fünfte Generation des Stuckateurnachwuches nun doppelt. „Unsere Eltern sind schon stolz“, freut sich Luisa Blattner und lächelt.

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Foto: Pehar