Zeitung für alle

Das Stadtleben stottert und läuft im Lockdown nur mit halber Kraft. Restaurantbesuche, Theater, Kino und der ganze Weihnachtsspaß – alles gestrichen. Doch es gibt zahlreiche Lichtblicke, die Mut für alle machen. Heute zu lesen in der Zeitung für alle. Von Michael Schoberth

Ja, es ist gerade nicht einfach, positiv zu bleiben. Ja, bei vielen hängt die Decke ziemlich tief. Aber ja, allen Stuttgarterinnen und Stuttgartern geht das so. Und ja, wenn alle gemeinsam weiter aufeinander achten, hält die Stadt durch. Denn es gibt sie, die Lichtblicke, die Mut machen und Zuversicht schaffen. Und die Zeitung für alle-Redaktion hat sie gefunden. Sie werden mit großem Engagement, Mut und Kreativität von Stuttgartern für Stuttgarter geschaffen. Zwar fällt die große weihnachtliche Sause in der Innenstadt aus, die Stadt hat den Weihnachtsmarkt, den Treffpunkt auf einen oder mehrere Glühweine mit Kollegen und alten Freunden, abgesagt. Doch immerhin konnte ein Adventsmarkt organisiert werden. In der Innenstadt sind 33 Hütten und Stände mit dem klassischen Marktangebot positioniert. Ohne Alkohol und ohne Verweilen, aber wenigstens was. Die Stände sind bis zum 9. Januar geöffnet.

Richtigen Lichterglanz gibt’s am Schlossplatz, wo vor dem Königsbau eine 21 Meter hohe Weihnachtstanne aufgestellt ist. An der sieben Kilometer langen Lichterkette funkeln 45 000 LED-Lichtlein. „Ein kleines Symbol mit großer Wirkung“, nennt das Bürgermeister Thomas Fuhrmann. Für Andreas Kroll, Geschäftsführer der in.Stuttgart https://www.in.stuttgart.de/home/ , die die Aktion organisiert hat, ist dabei die Gemeinschaft wichtig. „Wir wollen den Bürgerinnen und Bürgern eine schöne Adventszeit bescheren.“

Die Lichtinstallation „Glanzlichter Stuttgart“ verwandelt den zentralen Platz in ein Lichtermeer. Auf ihm sind mehrere meterhohe Leuchtskulpturen verteilt, die die wichtigsten Wahrzeichen von Stuttgart darstellen: das Rössle, den Fernsehturm, die Wilhelma, die Grabkapelle, das Volksfest, das Mercedes-Benz Museum, das Porsche Museum und das Weindorf. Wer einfach mal raus will und wem der Sinn nach dem Durchlüften der Gehirnwindungen steht, kann einen Spaziergang auf die Anhöhen von Stuttgart unternehmen. Von der Karlshöhe und dem Weißenburgpark aus hat man einen wunderbaren Blick auf das abendliche Lichtermeer. Eine Thermoskanne mit einem Heißgetränk nach Wahl im Gepäck ist sicher eine gute Idee.

Zeitung für alle: Stuttgart hält durch

Wen das Fernweh plagt oder wer ein wenig Ablenkung sucht, sollte mal wieder die Markthalle besuchen. Wer in dem architektonischen Juwel im Jugendstil an den Ständen entlang bummelt, macht eine Weltreise von Schwaben über Italien nach Indien, Asien und zurück. Zwar sind die Türen der Stuttgarter Kulturinstitutionen geschlossen, doch sie suchen nach digitalen Formaten, um ihr für die Gesellschaft wichtiges Angebot weiterhin zugänglich zu machen. So haben die Studierenden des Instituts für Sprechkunst an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst den Corona-Podcast gestartet. Zu hören sind Gedichte und Hörspiele.

Wer an der Staatsgalerie dem Aufgang rechts vom Eingang folgt, kann auch bei geschlossenem Haus Kunst sehen und vor allem die einzigartige postmoderne Architektur des Baus von James Stirling bewundern. Das Team vom Stadtpalais veröffentlicht in den sozialen Medien unterhaltsame Videoblogs, die sich beispielsweise mit dem Brand des Alten Schlosses oder leichteren Themen beschäftigen, wie den Erinnerungen von DJs an die Clubszene in den 1990er-Jahren.

Auch ohne den ausgefallenen Trubel des Nachtlebens wächst das Bedürfnis  nach Ruhe und Konzentration. Das findet man in der Stiftskirche. Hier lädt der Adventsweg mit dem Motto „Weihnachten fällt aus dem Rahmen – Raum für Neues“ zum Innehalten ein.

Die Devise der Stunde: Take-away

Schwer zu schaffen machen Epidemie und die Corona-Verordnungen der Gastronomie. Viele Wirte haben im Sommer investiert, um Sicherheit für ihre Gäste zu schaffen. Und auch jetzt, da sie ihre Betriebe wieder schließen mussten, geben sie nicht auf. Denn die Hoffnung stirbt zuletzt. Mit Mut und Durch­haltewillen öffnen sich neue Wege. Und so lautet die Devise der Stunde: Take-away.

So bietet beispielsweise das kultige Condesa am Marienplatz bei schönem Wetter eine Box mit Kaffee und Süßem an, das Kantinchen in Mitte hat als Alternative seinen Biomarkt vergrößert. Ja, ein Getränk oder das Mittagessen gut verpackt mit auf die Straße zu nehmen ist kein neues Konzept, hat vor dem Hintergrund der Pandemie eine ganz andere Dimension bekommen. Selten hat ein Kaffee auf die Hand und ein kurzes Gespräch über die – abgeschirmte – Theke hinweg mehr Bedeutung für das Miteinander in der Stadt.

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