Der erste Fernsehturm, die längste Fußgängerzone, die längste Treppe und jede Menge Mineralwasser. Stuttgart hält unübertreffbare und kuriose Rekorde in der Welt, in Europa und deutschlandweit. Heute zu lesen in der Zeitung für alle. Von Michael Schoberth

Zeitung für alle

Der Stuttgarter an sich ist keiner, der groß hinausposaunt, was an Unübertrefflichem aus dieser Stadt kommt. Dabei gäbe es dazu reichlich Anlass, wie unsere völlig subjektive Auswahl dokumentiert. Die Liste ließe sich beliebig verlängern. Wie auf einem Siegerpodest thront die markanteste Bestmarke über der Stadt. Der Stuttgarter Fernsehturm wurde als weltweit erster mit einer Stahlbeton-Konstruktion gebaut.

Mit seinen 216 Metern vom Fuß bis zur Spitze war er 1956 bei der Eröffnung auch der höchste Fernsehturm weltweit. Trotz seiner Einmaligkeit waren die Stuttgarter zunächst wenig begeistert von der schmalen Betonsäule auf dem Bopser. Als Schildbürgerstreich, Schandmal und Fremdkörper im Waldgebiet wurde er bezeichnet. Spätestens jedoch, als die britische Königin Elizabeth II. 1965 dem Turm ihre Aufwartung machte, hatten die Stuttgarter den „Urahn der Fernsehtürme“ in ihr Herz geschlossen.

Bisher nicht übertroffen ist tief im Kessel die Königstraße. Mit 1200 Metern die längste Fußgängerzone Deutschlands. Nicht nur das. Denn die querende Schulstraße wurde bereits 1953 für den Autoverkehr gesperrt und gilt heute – neben einer Straße in Kassel – als eine der ersten Fußgängerzonen der Welt. Am Ende der Königstraße ragt der Tagblattturm empor.

Moderner Baustil der 1920er: Weißenhofsiedlung führt unangefochten die ewige Bestenliste an

Der einstige Sitz der gleichnamigen Zeitung und später der Stuttgarter Zeitung hält keine Bestmarke für seine Höhe von 61 Metern. Doch der 1928 errichtete Büroturm war das erste Stahlbeton-Hochhaus der Republik. Wegen seiner dem „Neuen Bauen“ zugeordneten Architektur war es zunächst umstritten. Heute steht es genau deswegen unter Denkmalschutz. Was den modernen Baustil der 1920er Jahre betrifft, führt Stuttgart mit der Weißenhofsiedlung unangefochten die ewige Bestenliste an. Der Deutsche Werkbund errichtete 1927 das Wohnquartier als richtung­weisende Modellsiedlung, die heute als herausragendes Beispiel für den Stil des „Neuen Bauens“ gesehen wird.

Fast unscheinbar kommt einem dagegen der Schwabtunnel im Westen der Stadt vor. Doch war er 1886 bei seiner Eröffnung der erste innerstädtische Straßentunnel in Deutschland und wird als der älteste seiner Art aufgeführt. Die Röhre kann einen weiteren Markstein verbuchen: 1900 war er der erste Tunnel, durch den ein Auto fuhr.

Apropos Auto: In einer Gartenlaube in Bad Cannstatt erfand Gottlieb Daimler ein vierrädriges Kraftfahrzeug mit einem Verbrennungsmotor. Das erste Automobil der Welt. Wen wundert es, dass Baden-Württemberg die größte Patentdichte in Europa aufweist. Im Vorjahr waren es 13 033 Patente, allein 4033 davon wurden von Bosch mit Sitz in Stuttgart angemeldet.

Zeitung für alle: Stuttgart ist die einzige Großstadt mit einem eigenen Weingut

Diesen Erfolgen stehen die schönen Künste nicht nach. Sechsmal, so oft wie kein anderes Opernhaus, wurde das hier ansässige zum „Opernhaus des Jahres“ gewählt. Kein anderer kann uns in der Hochkultur das Wasser reichen.

Und selbst das Wasser ist in Stuttgart internationale Spitzenklasse. Nach Budapest verzeichnet Stuttgart mit 44 Millionen Liter Mineralwasser am Tag die zweitgrößte Ausschüttung Europas. Von 19 Brunnen sind 13 staatlich anerkannte Heilquellen, wovon die meisten in Bad Cannstatt liegen. Hier gibt es noch eine weitere begehbare Bestmarke, die Wilhelma. Deutschlands einziger zoologisch-botanischer Garten rangiert mit 1100 Arten auf Platz zwei der artenreichsten Tiergärten im Land.

Wer sich in der städtischen Botanik umsieht, dem fallen die Weinberge auf, die bis in die Stadt reichen. Stuttgart ist die einzige Großstadt mit einem eigenen Weingut, das 16 Hektar Rebfläche bewirtschaftet. Diese traditionellen, steilen Weinberge am Kesselrand wurden mit kleinen Treppenwegen erschlossen.

Keine andere deutsche Metropole kann einen größeren Höhenunterschied aufweisen

Die Stäffele haben eine Gesamtlänge von rund 30 Kilometern. Mehr Treppen gibt es nirgendwo sonst im Land. Die nächste Höchstmarke schließt sich da fast logisch an: Keine andere deutsche Metropole kann einen größeren Höhenunterschied aufweisen. Der tiefste geografische Punkt von Stuttgart ist die Neckarschleuse in Hofen (207 Meter ü. NN) und der höchste die Bernhartshöhe in Vaihingen (549 Meter ü. NN).

Damit ist die Bestenliste noch immer nicht abgeschlossen: Die erste Waldorfschule wurde auf der Uhlandshöhe gegründet, im früheren Hindenburgbau gegenüber vom Bahnhof 1928 das erste Planetarium Europas eröffnet. Das Mercedes-Benz-Museum ist mit 1450 Exponaten das größte Automobilmuseum. Und zu guter Letzt: Mit 8000 Exemplaren der Bibel verfügt die Württembergische Landesbibliothek über die größte Bibelsammlung in Europa.

Weitere Infos gibt es hier https://www.stuttgart.de/