Trotz Corona-Krise ist die Nachfrage nach Immobilien-Eigentum ungebrochen groß. Für den Käufer oder Verkäufer einer Eigentumswohnung oder eines Hauses hat der Gesetzgeber die Vertragsgestaltung neu geregelt: Der Käufer einer Immobilie soll künftig nicht mehr Provision bezahlen als der Verkäufer. Von Ingo Dalcolmo

Immobilien-Eigentum

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m Bundestag standen das unechte Bestellerprinzip (wer bestellt – bezahlt) und die Deckelung der Verkäuferprovision auf 1,68 Prozent bei Wohnimmobilien zum Kauf zur Abstimmung. Beides wurde abgelehnt. ­Stattdessen hat die Große Koalition einen Kompromiss beschlossen. Der IVD Immobilienverband Deutschland https://ivd.net/ , die Interessensvertretung der Makler, hatte an dem Gesetzentwurf kritisiert, dass die Einführung des Bestellerprinzips Immobilienkäufer nicht entlasten, sondern im Gegenteil sogar stärker belasten würde, da der Verkäufer die Maklerprovision auf den Kaufpreis aufschlagen könnte.

Dadurch würde sich auch die Bemessungsgrundlage für die Grunderwerbssteuer erhöhen und die Gesamtkosten dadurch in die Höhe treiben. Eine Deckelung der Maklerprovision auf zwei Prozent hätte zudem zur Unwirtschaftlichkeit geführt, so der IVD. Für den Käufer oder Verkäufer eines Hauses oder einer Eigentumswohnung gibt es künftig laut IVD mehrere Möglichkeiten, einen Makler zu beauftragen.

Variante A – Der Verkäufer schließt mit dem Makler einen Maklervertrag. Er gestattet ihm darin, auch für den potenziellen Käufer tätig zu werden. Die zwischen Makler und Verkäufer vereinbarte Innenprovision ist auch maßgeblich für die Vereinbarung mit dem Käufer. Die Provisionshöhe muss identisch sein. Spätere Nachlässe zugunsten des einen gelten auch für den anderen. Kommt es zum Abschluss des vermittelten Kaufvertrages, wird beiden eine Rechnung gestellt, die sofort fällig sind.

In Variante C erhält der Makler nur eine Provision vom Verkäufer

Variante B – Der Verkäufer schließt mit dem Makler einen Maklervertrag, wobei der Makler nur die Interessen des Verkäufers vertreten soll. Wird der Makler nur für eine Seite tätig, ist es nach der Neuregelung unzulässig, die vereinbarte Provisionslast vollständig auf den Käufer abzuwälzen. Eine Übernahme ist zwar möglich, aber auf maximal 50 Prozent begrenzt. Zudem muss der Käufer seinen gedeckelten Anteil erst zahlen, wenn der Verkäufer seiner Zahlungsverpflichtung nach Abschluss des notariellen Kaufvertrages nachgekommen ist. Der Nachweis kann auch vom Makler erbracht werden. Ein zentraler Nachteil für den Käufer ist, dass er auf den übernommenen Anteil Grunderwerbsteuer zahlen muss.

Variante C – Der Verkäufer schließt mit dem Makler einen Maklervertrag, wobei der Makler nur die Interessen des Verkäufers vertreten soll. Der Käufer verspricht weder die Zahlung einer Provision, noch verpflichtet er sich an der vom Verkäufer versprochenen Provision zu beteiligen. Nach Abschluss des Kaufvertrages erhält der Makler nur eine Provision vom Verkäufer.

Immobilien-Eigentum: IVD gibt einen Überblick

Variante D – Ein potenzieller Käufer beauftragt einen Makler mit der Suche nach einem passenden Objekt. Für den Fall, dass der Makler einen entsprechenden Kaufvertrag vermittelt, wird ihm eine Provision versprochen. Im Unterschied zu der Regelung in der Wohnungsvermittlung, wonach der Makler ausschließlich für einen Suchenden tätig werden darf, kann er im Fall des Kaufs auch für mehrere Suchende tätig werden. Voraussetzung für den Provisionsanspruch ist aber auch, dass dem Makler das Objekt nicht bereits vor Erhalt des Suchauftrages oder der Suchaufträge an die Hand gegeben wurde.

Verstößt der Makler hiergegen, hat dies zur Folge, dass er die vom Käufer versprochene Provision nicht beanspruchen kann. Gibt der Makler vor, dass er das Objekt vor Erhalt des Suchauftrages noch nicht an die Hand bekommen hat, kann das sogar als ­Betrug qualifiziert werden. Eine Verurteilung wegen Betruges hätte zudem einen Verlust der Gewerbeerlaubnis zur Folge, so der IVD weiter.