Das 4. Immobilien Forum Stuttgart, erstmals virtuell veranstaltet, stand ganz im Zeichen des Themas „Wohnen“. Wer hat das beste Rezept für mehr Wohnraum in der Stadt? Sieben OB-Kandidaten stellten sich im Pressehaus Stuttgart den Fragen des Moderators Wolfgang Molitor. Von Reimund Abel und Ingo Dalcolmo

Immobilien Forum Stuttgart

Foto: Nico Bosch

Der eine, Andreas Hofer, Intendant der Internationalen Bauausstellung 2027 (IBA), entwirft kühne Visionen für die Zukunft der Stadt. Die anderen – sieben Kandidaten für die Stuttgarter Oberbürgermeisterwahl – müssen sich, so sie gewählt werden, mit drängenden Fragen im Hier und Jetzt herumschlagen. Das vierte Immobilien Forum der Stuttgarter Zeitung Werbevermarktung, wegen der Corona-Pandemie virtuell statt analog, schlug einen weiten thematischen Bogen: Wie wohnen wir, wie leben wir, wie arbeiten wir in 20 oder 30 Jahren?

Und wie lösen wir eine der aktuell größten Probleme in Stuttgart – den akuten Mangel an bezahlbaren Wohnungen und Häusern? Wolfgang Molitor, stellvertretender Chefredakteur der Stuttgarter Nachrichten und Moderator des Immo-Forums, ließ zum Auftakt der Veranstaltung den Gastgeber des Abends eine Einschätzung zur wirtschaftlichen Lage im Wohnungsmarkt abgeben. Oliver Nothelfer, der Geschäftsführer der Stuttgarter Zeitung Werbevermarktung (STZW), zeigt sich überzeugt, dass die Lage im Immobiliensektor auch im kommenden Jahr stabil bleibe.

Daher seien auch verstärkte Marktaktivitäten der STZ vorgesehen. Als ein Beispiel nannte er das Projekt „Standort spezial“, ein Magazin, in dem maßgeschneiderte Inhalte für Immobilienmakler veröffentlicht werden. IBA-Intendant Hofer lieferte in seiner Key-Note eine Steilvorlage für die Debatte der OB-Bewerber. Es geht nach seiner Aussage um nichts weniger als die Neuerfindung der Stadt und der Region Stuttgart. Der Experte spricht von einem Transformationsprozess, der in nahezu alle Bereiche der Gesellschaft eindringt. Zum Beispiel hier: Muss Arbeit- und Lebensumfeld getrennt bleiben, wie es traditionell der Fall ist? Klares Nein von Hofer.

Wie steht es um die Mobilität der Zukunft in der Landeshauptstadt?

Mit einer veränderten und produktiven Mischung könnten gesichtslose Gewerbe-­ und reine Wohngebiete zu gemischten, lebendigen und kreativen Stadtquartieren werden. Aber wie steht es um die Mobilität der Zukunft in der Hauptstadt der Mobilität? Auch bei dieser Fragestellung erwartet er große Veränderungen, vor denen sich die Menschen aber nicht fürchten sollten, sondern sie als Chance begreifen.
Veränderungen erhoffen sich die Stuttgarter ebenso von ihrem neuen Oberbürgermeister, der am 8. November in Stuttgart gewählt wird.

„Was wollen Sie anders machen, wenn Sie gewählt werden?“, fragte Moderator Wolfgang Molitor in die Runde. Denn der Wohnungsmangel in der Landeshauptstadt und deren Lösung ist ein zentrales Thema des Wahlkampfs.  Für Marco Völker (Einzelbewerber) wäre zu prüfen, ob große Wohnungen in zwei Kleine umgebaut werden könnten, da Stuttgart zu mehr als 50 Prozent aus Single-Haushalten bestehe. „Wir brauchen mindestens 2000 neue Wohnungen aller Art durchschnittlich pro Jahr“, sagt Frank Nopper (CDU), der auf seine guten Erfahrungen in Backnang verwies, wo er OB ist.

Wichtig sei eine gute soziale Mischung. „Wie soll das gehen?“, hakt Molitor nach. Nopper spielt den Ball an die SWSG und die Wohngenossenschaften zurück. Sie müssten mehr tun, um günstigen Wohnraum zu schaffen. Für Martin Körner (SPD) muss Wohnungsbau Chefsache werden, solange sich Menschen mit normalen Einkommen keine Immobilie in Stuttgart leisten können. Das Wohnen sei die „zentrale Herausforderung“ der nächsten Jahre.

Immobilien Forum Stuttgart: Ist Wohnungsbau Chefsache?

Aus Sicht von Marian Schreier (Einzelbewerber) reicht es nicht aus, das Thema Wohnungsbau zur Chefsache zu machen. Er fordert einen anderen Umgang mit Grund und Boden, etwa durch eine Stiftung, die Grundstücke erwirbt, um sie so dauerhaft der Spekulation zu entziehen. Veronika Kienzle (Grüne) sieht unter anderem in der Veränderung der Arbeitswelt hin zu mehr Home-Office eine Möglichkeit, frei werdende Büroflächen dem Wohnungsbau zukommen zu lassen. Sie macht zudem deutlich, dass sie zu einer ökologischen Entwicklung der Stadt steht. „Wir brauchen eine anständige Stadtentwicklung.“

Malte Kaufmann von der AfD spricht sich gegen eine Außenentwicklung auf der grünen Wiese um jeden Preis aus. Er erhofft sich einen Schub auf dem Wohnungsmarkt durch den möglichen Abzug der US-Truppen. Mit Hannes Rockenbach (SÖS) wird es keine Außenentwicklung geben. Er sieht in der Stadt genügend Potenzial durch die ­sogenannte Innenverdichtung. Er plädiert vehement für eine aktive Bodenbevorratungspolitik der Stadt.

Aus datenschutzrechlichen Gründen benötigt YouTube Ihre Einwilligung um geladen zu werden. Mehr Informationen finden Sie unter Datenschutz.
Akzeptieren