Termine für eine Impfung gegen Covid-19 waren im ersten Halbjahr 2021 rar. Ein Problem, das der 17-jährige Julian Ambrozy kurzerhand selbst anpackte. Mit seiner eigenen Website konnte er schließlich vielen Suchenden zu einem Impftermin verhelfen. Von Nicole Töppke

Julian Ambrozy

Foto: privat

Ich dachte nicht, dass ich so viel Aufmerksamkeit bekomme“, sagt Julian Ambrozy und räumt ein: „Am Ende wurde es mir dann schon zu viel. Da habe ich auch einige Termine abgesagt.“ Ambrozy stand mit seiner eigens entwickelten Homepage plötzlich in den Medien und löste ein Problem, das viele Menschen betraf.

Zum neuen Jahr 2021 begann die bundesweite Impfkampagne in Deutschland. In der ersten Priorisierungsgruppe gab es viele Impfwillige, aber wenig Termine. Es benötigte viel Geduld und Glück, einen Impftermin zu bekommen, besonders weil das offizielle Buchungssystem, die www.116117.de, meist überlastet war und man jedes Impfzentrum einzeln abfragen musste.

Auch Julian Ambrozys Familie versuchte verzweifelt, einen Termin für den Opa zu ergattern, woraufhin der 17-Jährige kurzerhand selbst eine Übersichtswebsite erstellte. Die Online-Seite zeigt an, in welchen Impfzentren und Arztpraxen die Chance auf einen Termin besonders hoch ist, und schafft somit eine klare Übersicht über alle Impfmöglichkeiten. Waren es anfangs nur Zentren in Baden-Württemberg und drei weiteren Bundesländern, stehen jetzt Impfmöglichkeiten in 13 Bundesländern zur Übersicht zur Verfügung.

Den Nerv vieler Menschen getroffen

Neben den offiziellen Impfzentren in den jeweiligen Regionen können sich seit April auch Hausärzte http://auf www.impfterminübersicht.de registrieren und selbst freie Termine einstellen. Die Terminvergabe selbst wird jedoch nicht von Ambrozys Homepage getätigt. Der Nutzer wird auf die offizielle Seite zur Terminbuchung weitergeleitet und kann dort direkt im gewünschten Impfzen­trum einen Termin vereinbaren.

Julian Ambrozy hatte mit seinem, eigentlich für den privaten Zweck gedachten, Projekt den Nerv vieler Menschen getroffen. Der Gymnasiast war in kurzer Zeit in sämtlichen Medien zu sehen und verbrachte seine Nachmittage nach dem Unterricht mit Interviews oder Drehs für kurze Filme für Nachrichtenseiten. „Für einen kurzen Film von zwei bis drei Minuten geht da schnell ein ganzer Nachmittag drauf“, erläutert der Schüler. Und er ist froh, dass der Trubel um ihn etwas nachgelassen hat.

Doch die plötzliche Präsenz in den Medien hatte auch viele positive Seiten. Im Zuge der Berichterstattungen über Ambrozy gab es einige Angebote für den Schüler. Von Angeboten zum dualen Studium über Ausbildungsangebote oder Empfehlungen bis hin zu Anfragen zur Erstellung von Webseiten war alles dabei. „Ich mache nächstes Jahr mein Abitur. Die ganzen Angebote kann ich natürlich zur Zeit nicht annehmen“, sagt der junge Mann aus Ostfildern. Nur die Möglichkeit für einen Minijob hat er genutzt. „Da habe ich eine App für ein Computerspiel programmiert.“

Julian Ambrozy will nach dem Abi Informatik studieren

Schon bevor er die digitale Impfübersicht erstellt hat, war Programmieren ein Hobby von ihm. Vor allem Handyapps und Spiele hat der Schüler in seiner Freizeit programmiert. Das erklärt auch die kurze Programmierdauer von nur zwei Stunden für die erste Version der Website. Beigebracht hat er sich alles selbst. „Über Youtube- Videos und Google habe ich alles gelernt, was ich wissen muss“, sagt Ambrozy selbstbewusst.

Seine Eltern stehen bei dem Projekt hinter ihm. „Die Programmierzeit hat sich ja sehr in Grenzen gehalten. Nur in den Osterferien war es dann etwas mehr Zeit, die ich am Computer verbracht habe. Das war für meine Eltern okay.“ Und die sind auch mächtig stolz auf ihren Sohn und müssen sich um dessen Zukunft wohl keine Sorgen machen.

Wie seine berufliche Laufbahn aussehen soll, weiß er noch nicht ganz genau. Nur eins steht fest: Im nächsten Jahr macht Ambrozy erst mal das Abitur und danach möchte er Informatik studieren. Wie und wo er studieren möchte, hält er sich noch offen. Zum jetzigen Zeitpunkt würde er keins der zahlreichen Berufsangebote nutzen.

Für die Zukunft der Homepage hält der 17-Jährige sich alles offen

„Da möchte ich den normalen Weg gehen“, sagt Ambrozy und fügt hinzu: „Es ist mit Sicherheit ein Vorteil, die Website als Referenz anzugeben. Trotzdem möchte ich mir aber die Universität oder das Unternehmen für ein duales Studium selbst aussuchen.“ In nächster Zeit wird er sich also selbst über verschiedene Möglichkeiten informieren und für ihn interessante Universitäten oder Unternehmen kontaktieren.

Auch für die Zukunft der Homepage hält der 17-Jährige sich alles offen. „Wie lange die Website noch online bleibt, ist abhängig davon, wie lange sie weiter aktiv genutzt wird.“ Ambrozy will sie aber im kleinen Umfang weiterlaufen lassen. „Auch wenn es wohl bald die Impfzentren nicht mehr geben wird, gibt es doch noch viele Menschen, die keinen festen Hausarzt haben und dann die Übersicht gut nutzen können“, sagt er.

Und auf die Frage, ob er denn auch schon geimpft sei, antwortet ­Ambrozy: „Ja, nach Aufhebung der Impfpriorisierung habe ich mir schnell einen Termin sichern können und bin schon das erste Mal geimpft.“ Und das mithilfe seiner eigenen Website.