Wer an einen gefährlichen Job bei der öffentlichen Hand denkt, dem fallen wahrscheinlich als Erstes Polizei und Feuerwehr ein. Doch auch die Mitarbeiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes riskieren ihre Gesundheit für die Sicherheit der Allgemeinheit und machen Karriere im öffentlichen Dienst. Von Anja Schreiber

Der 54-jährige Ralf Vendel ist einer von ihnen. Er arbeitet als sogenannter Feuerwerker beim Regierungspräsidium Stuttgart und hat sich für eine Karriere im öffentlichen Dienst entschieden. „Wir sind täglich draußen. Manchmal können wir die Munition sofort abtransportieren, manchmal müssen wir sie erst vor Ort entschärfen oder sogar sprengen“, berichtet Vendel. „Bomben ab 50 Kilo aufwärts entschärfen meine Kollegen und ich etwa 25-mal im Jahr.“

Vendel ist seit 1986 beim Regierungspräsidium beschäftigt, zuvor war er in der Metallbranche tätig. Den Beruf lernte er durch seinen Onkel kennen, der auch schon beim Kampfmittelbeseitigungsdienst war. „Zuerst wird man Munitionsfacharbeiter. Das ist aber kein klassischer Ausbildungsberuf“, berichtet Vendel. „Die Qualifikation geschieht durch spezielle Lehrgänge.“ Wer einige Jahre erfolgreich als Munitionsfacharbeiter gearbeitet hat, kann aufsteigen. „Durch eine Weiterbildung an der Sprengschule Dresden qualifizierte ich mich zum Feuerwerker und wurde damit Vorgesetzter der Munitionsfacharbeiter.“

Die Arbeit mit überlagerter Munition aus dem Zweiten Weltkrieg birgt Risiken. „Ich habe mir schon mal große Verbrennungen zugezogen“, berichtet Vendel. Angst hätte er dennoch nicht. „Angst ist ein schlechter Begleiter. Aber ich habe Respekt vor den Bomben, besonders vor denen mit einem Langzeitzünder. Denn die können jederzeit – auch nach über 70 Jahren – bei geringeren äußeren Einwirkungen noch explodieren.“

Exoten beim Regierungspräsidium Stuttgart

Doch die Mitarbeiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes sind nicht die einzigen Exoten beim Regierungspräsidium Stuttgart. Auch die Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege gehören dazu. „Dafür stellen wir zum Beispiel Archäologen, Geologen oder Geografen ein, aber auch Akademiker, die einen speziellen Masterstudiengang Denkmalpflege absolviert haben“, berichtet Wolfgang Dengler, stellvertretender Referatsleiter Personal beim Regierungspräsidium. Dabei handele es sich um hoch qualifizierte Mitarbeiter, die oft wissenschaftliche Veröffentlichungen vorweisen könnten. „Auch im Bereich der Grabungsarbeiter sind vereinzelt Akademiker tätig.“

Auch in vielen anderen Bereichen des Regierungspräsidiums finden sich Spezialisten wie Veterinärmediziner oder Lebensmittelchemiker. Diese arbeiten in der Abteilung 3, die unter anderem für das Veterinär- und Lebensmittelwesen zuständig ist. In der Abteilung „Straßenwesen und Verkehr“ braucht die Behörde neben Ingenieuren auch Geologen und Geografen. Das Landesgesundheitsamt beschäftigt Ärzte und me­dizinisch-technische Assistenten. Dengler: „Im Landesversorgungsamt, das zum Beispiel Medizinprodukte überprüft, sind Pharmazeuten tätig.“

Unternehmen aus dem öffentlichen Dienst bei der FirstJob Ausbildungsmesse

Mehr als 40 Aussteller sind bei der FirstJob Ausbildungsmesse der Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten am 18. und 19. Oktober jeweils von 10 bis 17 Uhr vertreten. Sie repräsentieren etwa 140 Berufe. Auch Unternehmen aus dem Öffentlichen Dienst, wie zum Beispiel die Agentur für Arbeit Stuttgart, die Bundespolizeiakademie, die Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg oder das Polizeipräsidium Stuttgart, sind an beiden Tagen in den Stuttgarter Wagenhallen vertreten. Mehr Infos zur Ausbildungsmesse unter www.FirstJob.stzw.info

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Ralf Vendel ist Feuerwerker beim Kampfmittelbeseitigungsdienst. Foto: Regierungspräsidium Stuttgart