Viel zu lesen, viel zu entdecken – Ihre „Zeitung für alle“.  Als zusätzliches Angebot für informative Lese-Momente gab es am Wochenende eine Überraschung in Ihrem Briefkasten. Lesen Sie heute: Wie Hitradio Antenne 1-Moderator Oliver Ostermann mit der Corona-Krise umgeht. Von Bianca Feddersen

Herr Ostermann, wie gehen Sie derzeit persönlich mit dem Coronavirus um?

Ich versuche in erster Linie, für die Menschen in meiner Umgebung eine Stütze zu sein und sie wiederaufzubauen. Einer meiner Freunde ist wegen seiner Krankheit Risikopatient, und er hat natürlich Angst. So auch meine Nachbarin, sie ist über 80 und traut sich nicht mehr raus. Deshalb erledigen meine Frau und ich die Einkäufe für sie und stehen in telefonischem Kontakt.

Wir bestellen auch ab und zu bei den Restaurants in unserer Umgebung, die jetzt auf „liefern“ umgestellt haben und denen das Wasser bis zum Hals steht. Wenn man für andere da ist, bleibt nicht viel Zeit, sich selber große Sorgen zu machen. Wenn wir alle die Regeln einhalten und die sozialen Kontakte zumindest physisch einschränken, dann ist schon viel gewonnen. Telefonieren kann man ja trotzdem noch. Außerdem ist das Händewaschen in regelmäßigen Abständen unabdingbar. Schon mit diesen wenigen Regeln ist aus meiner Sicht ganz viel gewonnen.

Wie beeinflusst Sie Corona bei der Arbeit im Radio?

Bei uns im Pressehaus stehen an jeder Ecke Desinfektionsspender. Die nutze ich, sobald ich eine Tür geöffnet oder etwas berührt habe. Das wäre vor Wochen vielleicht etwas übertrieben gewesen, jetzt ist es leider notwendig. Die Zahl unserer Mitarbeiter hat sich stark reduziert, da wir sofort einen Notfallplan eingeleitet haben. Das bedeutet, um den Sendebetrieb aufrecht erhalten zu können und die Mitarbeiter zu schützen, sind die meisten Kollegen im Homeoffice. Selbst meine Moderationskollegen senden von Zuhause aus.

Das ist technisch zum Glück möglich. Ich bin im Studio und schalte meine Kollegin morgens einfach dazu, während sie am Küchentisch sitzt. Redaktionskonferenzen sind Videokonferenzen, und bei uns in der Redaktion achtet jeder strikt auf den Mindestabstand. Da, wo wir uns früher mit einer Umarmung begrüßt haben, gibt’s heute nur noch ein „Guten Morgen“ – oder höchstens ein „Schuh an Schuh“.

Oliver Ostermann: „Wir sind für unsere Hörer da“

Welchen Einfluss hat das Virus auf Ihre Show?

„Corona“ ist der tägliche Begleiter der Sendung. Unser Programm ist auf die Bedürfnisse unserer Hörer ausgerichtet. Und das Bedürfnis nach Information ist in diesen Zeiten sehr groß. Wir haben eine Hilfeseite bei Facebook eingerichtet, auf der sich Hörer melden können, die Hilfe brauchen oder Hilfe geben können, zum Beispiel beim Einkaufen. Man findet sie ganz leicht unter „Baden-Württemberg hält zusammen“ https://www.antenne1.de/aktuell/online-themen/baden-wuerttemberg-haelt-zusammen/

Wir sind für unsere Hörer da und versuchen, ihnen die Ängste zu nehmen, indem wir ihre Fragen durch Fachleute und Recherchen beantworten.

Wie bringen Sie Ihre Hörer trotz allem zum Lachen?

Niemanden ist im Hinblick auf Corona zum Lachen zumute. Dennoch gibt es viele Situationen, die einen Lacher wert sind. Die Situation mit den Kids Zuhause zum Beispiel. Jetzt, wo wir Eltern auch Lehrer und Kita-Mitarbeiter in einer Person sind. Wenn ich mit meiner sechsjährigen Tochter auf dem Rücken durch die Wohnung galoppiere, dann sind das Dinge, die bringen mich zum Lachen. Das gebe ich gerne weiter und hoffe, andere damit anstecken zu können. Immerhin sind wir auch ein Unterhaltungsmedium.

Und die Ablenkung ist ein großer Schritt, besser mit dieser Krise umzugehen, ein Stück weit „Normalität“ herzustellen. Meine Frau hat zum Beispiel meinen Kindern beigebracht, beim Händewaschen zweimal „Happy Birthday“ zu singen. Danach sind die Hände einwandfrei gewaschen. Ich mache mir nur Gedanken, was nach der Corona-Zeit ist. Wenn die Kids dann wieder auf Geburtstagen singen dürfen. Ob sie das dann auch ohne Waschbecken hinbekommen?

„Wir werden danach als eine Gesellschaft weiterleben, die mehr aufeinander achtet“

Warum darf Hitradio Antenne 1 jetzt auf keinen Fall aufhören zu senden?

Weil jeder ein Recht auf Information hat, und weil viele Informationen auch richtig eingeordnet werden müssen. Außerdem auch, weil meine Frau es den ganzen Tag Zuhause mit mir nicht aushalten würde. Weil mein Vermieter sein Geld möchte. Und weil es unheimlich wichtig ist, dass wir im Moment alle füreinander da sind und man das auch hörbar macht.

Könnte Corona unserer Gesellschaft auch eine Chance bringen?

Das auf jeden Fall. Wir machen uns gerade alle Gedanken über das Leben und den Tod. Vorher haben viele einfach nur in den Tag hineingelebt, sich Gedanken um den nächsten Urlaub, ein neues Auto oder ein eigenes Haus gemacht. Jetzt stellen wir fest, dass Gesundheit, Familie und Freunde das Wichtigste auf der Welt sind. Wir besinnen uns wieder mehr aufs Wesentliche. Und auch die Umwelt scheint sich gerade zu erholen, weil einfach weniger Schiffe, Autos und Flugzeuge unterwegs sind.

Man hat das Gefühl, als wollte die Natur sagen: ‚Wenn Ihr das mit der Klimawandel-Bekämpfung nicht hinbekommt, dann mach ich das!‘ – mit verheerenden Folgen. Aber ich glaube, wir werden danach als eine Gesellschaft weiterleben, die mehr aufeinander achtet und in der Werte wieder eine größere Rolle spielen. Hoffentlich auch die Umwelt.

„Bruce Allmächtig“ oder „Kindsköpfe“ bringen zum Lachen

Was sind Ihre Top-Buch-, Film- und Rezept-Empfehlungen für die Zeit daheim, für das Stay at home?

So blöd das klingt, ich kann „Kevin – Allein zu Haus“ sehr empfehlen. Der Film ist zu jeder Jahreszeit sehenswert. Und außerdem sollten wir alle ja gerade daheim sein. Und da passt Kevin super rein. Auch sehr schön anzusehen mit der ganzen Familie: „Bruce Allmächtig“ oder „Kindsköpfe“. Alles Filme zum Lachen und Gutfühlen. Zum Lesen kann ich „Resturlaub“ oder „Vollidiot“ empfehlen. Einfach witzig. Wer es lieber spannend haben möchte, dem empfehle ich eine Romanreihe, die die Offenbarung in Romanform bringt.

Ich habe alle zwölf Bände verschlungen. „Finale – die letzten Tage der Erde“, eine Bestseller-Serie der amerikanischen Schriftsteller Tim LaHaye und Jerry B. Jenkins. Ein Rezept hätte ich auch noch. Das mach ich manchmal zwischendurch für meine Kids und mich. Dafür braucht man nur Mais und Butter: Die Butter schön zerfließen lassen, den Mais darin anbraten und nachher eine Prise Salz drüber. Kein Wahnsinnsrezept, aber eine absolute leckere und schnellgemachte Wohltat.

Oliver Ostermann

Foto: z/ Thomas Niedermueller