Wer nach Krankheit oder Unfall nicht mehr problemlos an seinen Arbeitsplatz zurückkehren kann, braucht Unterstützung. Dafür gibt es sogenannte Rehabilitationsberater. Sie sind während der gesamten Wiedereingliederung in das Berufsleben die zentralen Ansprechpartner für die Berufstätigen. Von Anja Schreiber

Rehabilitationsberater

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„Ich begleite Menschen bis zu dem Punkt, an dem sie wieder eine Arbeit aufnehmen können“, berichtet die 37-jährige Reha-Beraterin Nadine Fehrenbach. Sie ist bei der Deutschen Rentenversicherung Bund in Offenburg beschäftigt. „Zu mir kommen Ratsuchende oder Menschen, deren Antrag auf berufliche Reha bewilligt wurde. Gemeinsam schauen wir, wie es weitergeht.“ Sie betreut zum Beispiel gerade einen 1991 geborenen Mann, der an Multipler Sklerose erkrankt ist.

Er kann seinen körperlich anstrengenden Beruf nicht mehr ausüben. „Der junge Mann hat aber schon eine konkrete Idee“, so die Reha-Beraterin, die jetzt mit dem Versicherten nach einer passenden Umschulung sucht. Dabei stehen sie vor einer Herausforderung: „Der neue Beruf muss auch perspek­tivisch zur Krankheit passen.“ Die Arbeit der Reha-Beraterin ist sehr vielfältig. „Ich netzwerke zum Beispiel sehr viel und stehe mit Rehakliniken und Berufsförderwerken, aber auch mit Arbeitgebern im Austausch“, erklärt Fehrenbach.

Sie versucht zum Beispiel im Gespräch mit Betrieben eine Lösung zu finden, damit Versicherte trotz ihrer Erkrankung oder Behinderung im Betrieb weiterarbeiten können. „Das ist immer besser, als wenn jemand seine Arbeitsstelle verliert.“ Die Deutsche Rentenversicherung bietet Unternehmen auch einen Firmenservice an. „Hier berate ich Arbeitgeber beim betrieblichen Eingliederungsmanagement und spreche zum Beispiel mit Betriebsräten, Personalabteilungen und Betriebsärzten.“

Der Rehabilitationsberater  ist kein Ausbildungsberuf

Fehrenbachs Berufsalltag sieht jeden Tag anders aus: „Mal finden Beratungsgespräche in meinem Büro statt, mal bin ich aber auch bei Arbeitgebern und Bildungsträgern vor Ort und besuche dort die Versicherten.“ Sie spricht dann mit ihnen über Fortschritte und Schwierigkeiten. „Ich kann meine Arbeit sehr selbstständig organisieren.“ Nadine Fehrenbach hat ursprünglich Sozialpädagogik studiert. „Danach arbeitete ich fünf Jahre lang bei einem Bildungsträger. Ich half damals sozial benachteiligten Jugendlichen beim Berufseinstieg.“ Dann entdeckte sie eine Stellenausschreibung der Deutschen Rentenversicherung und bewarb sich dort mit Erfolg.

„Der Beruf macht mir große Freude, weil ich Menschen durch schwierige Situationen hindurch begleiten und ihnen neue Wege aufzeigen kann“, betont Fehrenbach. „Reha-Berater in der beruflichen Eingliederung arbeiten bei der Deutschen Rentenversicherung oder bei uns Arbeitsagenturen“, erklärt Jürgen Dieterich, Teamleiter Reha bei der Arbeitsagentur Stuttgart https://www.arbeitsagentur.de/vor-ort/stuttgart/startseite . „Ihre Aufgaben sind bei beiden Behörden ähnlich. Allerdings betreuen die Reha-Berater der Arbeitsagenturen auch betroffene Jugend­liche, während die Rentenversicherung grundsätzlich nur für Erwachsene zuständig ist, die bei ihnen versichert sind.“ Der Zugang zu diesem Beruf ist ebenfalls unterschiedlich.

„Denn der Reha-Berater ist kein Ausbildungsberuf.“ Bei der Deutschen Rentenversicherung Bund läuft der Berufseinstieg über ein Bewerbungsverfahren. „Aktuell sind in Baden-Württemberg neue Stellen zu besetzen“, so Ralf Fuhrländer, Leiter des Rehabilitationsbereich Baden-Württemberg. Dafür infrage kommen vorrangig Hochschulabsolventen aus den Bereichen Soziale Arbeit oder ­Sozialpädagogik.

Keine Berührungsängste mit Behinderungen und Krankheiten

Darüber hinaus sind auch Bewerber mit einem einschlägigen beruflichen Werdegang geeignet. Nach der Einstellung erfolgt eine Einarbeitungszeit. „Zuerst geht es drei Monate zu unserem Hauptsitz nach Berlin. Dort lernen die künftigen Reha-Berater das ganze Haus mit seinen verschiedenen Abteilungen und Aufgaben kennen“, erklärt Fuhrländer. Anschließend folgen drei Monate vor Ort in Baden-Württemberg. „Hier werden sie von erfahrenen Reha-Beratern eingearbeitet.“ Zuerst hospitieren sie, nach und nach beraten sie dann selbst.

Bei der Bundesarbeitsagentur für Arbeit wird niemand direkt als Reha-Berater eingestellt. Dieterich: „Jeder muss zwei Jahre in der Arbeitsvermittlung in der Agentur für Arbeit tätig gewesen sein, um sich intern um eine Stelle als Reha-Berater zu bewerben.“ Voraussetzung für die Tätigkeit ist auch ein Hochschulstudium. Viele Reha-Berater haben zuvor ein duales Studium bei der Bundesagentur für Arbeit absolviert. Andere bringen etwa einen Studienabschluss in Sozialpädagogik oder Psychologie mit. „Erst als Arbeitsvermittler lernen sie meist den Beruf des Reha-Beraters kennen“, beschreibt Dieterich den Weg. „Nach einigen Jahren entscheiden sie sich dann, selber in die Reha-Beratung einzusteigen.“

Wer diesen Beruf ergreifen möchte, „darf keine Berührungsängste mit Behinderungen und Krankheiten haben“, sagt Dieterich. Er weiß, dass dafür nicht jeder psychisch geeignet ist. „Allerdings hatte ich erst einen Fall, bei dem sich jemand aus psychischen Gründen versetzen ließ.“ Vielen mache der Job großen Spaß, denn die Arbeit sei erfüllend. Dieterich war zuvor lange selbst Reha-Berater. „Es ist schön, die Entwicklung eines Menschen zu sehen, wie er beruflich wieder Fuß fasst und sein Selbstbewusstsein wächst.“