Die zweite Ausgabe der Sonderveröffentlichung #gemeinsamstark der Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten zeigt Perspektive. Lesen Sie heute: So kreativ haben Die Staatstheater Stuttgart die Spielzeit-Zwangspause überbrückt. Von Bianca Feddersen

Staatstheater Stuttgart

In Zeiten der Kontaktbeschränkungen wird unter anderem auch das Telefon als künstlerisches Medium wiederentdeckt. Am „Lyriktelefon“ lesen zum Beispiel Schauspieler des Schauspiels Stuttgart live Gedichte vor.  Screenshot: STZW

„Ab dem ersten Tag des Shutdowns waren die drei Sparten der Staatstheater Stuttgart im Web aktiv. Stillstand gibt es am Theater nicht“, betont Johannes Lachermeier, Direktor für Kommunikation der Staatsoper Stuttgart. „Egal ob aus dem Homeoffice der Schauspieler, Tänzer, Instrumentalisten oder Sänger, von der Bühne oder aus dem Archiv: Die Staatsoper Stuttgart, das Stuttgarter Ballett und das Schauspiel Stuttgart sind immer für ihr Publikum da, auch wenn das Haus geschlossen ist“, ergänzt Lachermeier.

Wie die drei Sparten für ihr Publikum da sind? Virtuell statt live: Mit Livestreams, Wohnzimmerkonzerten oder Videobotschaften des Ensembles. Aus dem Opernhaus ist zum Beispiel das Programm „Oper trotz Corona“ entstanden. „Wir haben professionelle Komplett-Mitschnitte von Opern, die teils als Livestreams, teils als DVD- oder TV-Mitschnitte entstanden sind im Angebot. Alle Streams waren und sind kostenlos und mit deutschen Untertiteln versehen. Teilweise hatten wir an die 10.000 Zuschauer“, beschreibt der Kommunikationsdirektor die Videos-on-Demand.

On-Demand, also „auf Abruf“, ist auch das Stuttgarter Ballett. „Für unseren Ballettintendanten Tamas Detrich war es von Anfang an wichtig ein Zeichen zu setzen und in Zeiten dieser Pandemie unsere Kunstform so vielen Menschen wie möglich zur Verfügung zu stellen, vor allem als so viele Menschen weltweit ihre Häuser nicht verlassen durften“, weiß die Direktorin für Dramaturgie und Kommunikation des Stuttgarter Balletts, Vivien Arnold.

„Mayerling“ erzielte 17 .583 Aufrufe innerhalb von 24 Stunden

Gestartet wurde die Reihe #StuttgartBallet@Home am 25. März mit Marcia Haydées „Dornröschen“. Sechs Tage lang war die Inszenierung online und konnte in der Zeit 44.438 Aufrufe erzielen.  „Dornröschen ist unser Dauerbrenner und während des normalen Spielbetriebs immer ausverkauft. Außerdem ist es ein Stück für die ganze Familie und gerade am Anfang des Shutdowns haben sicher viele Eltern nach Programm für ihre Kinder gesucht. Da kann man nach dem ersten Akt entspannt gemeinsam essen und danach schaut man weiter“, erklärt sich Vivien Arnold den Erfolg des Videos-on-Demand.

Aber auch „Mayerling“ zog die Ballett-Community auf die Website des Stuttgarter Balletts. Innerhalb von 24 Stunden wurde das Video 17.583 aufgerufen. „Mayerling ist nagelneu und wäre eigentlich im April und Mai auf dem Spielplan gewesen. Die Besetzung ist wirklich 1A“, so Arnold. Wie lange ein Stück online abrufbar sein darf, hängt von den jeweiligen Urheberrechten ab.

„Keine dieser Video-on-Demand-Ausstrahlungen waren ursprünglich vorgesehen. Bisher haben wir großartige Unterstützung von allen Choreografen, Komponisten, Musikverlagen und Designern erhalten sowie natürlich von den Tänzern, Musikern des Staatsorchesters und allen anderen beteiligten Mitarbeitern hier am Haus. Sie alle machen #StuttgartBallet@Home möglich“, freut sich Arnold.

Staatstheater Stuttgart: Spielbetrieb mit „kleinen Formaten“ wieder ab 1. Juni

Auf die Unterstützung und Mithilfe aller Beteiligten kann auch das Schauspiel Stuttgart bauen. Denn während der letzten Wochen haben alle Ensemblemitglieder fleißig zu Hause weitergeprobt, Grußbotschaften, kleine künstlerische Beiträge und Lesungen aufgenommen, um mit dem Publikum in Kontakt zu bleiben. „Seit kurzem dürfen wir endlich auch wieder ‚richtig‘ proben, seit dem 13. Mai sogar wieder mit mehr als fünf Personen. Aber natürlich immer noch unter strengen Hygiene-, Abstands- und Sicherheitsregeln“, erzählt Katharina Parpart, Pressesprecherin des Schauspiels Stuttgart.

„An diese ‚neue Normalität‘ müssen wir uns gewöhnen und sie erfordert viel Kreativität und Improvisation. Aber genau das sind ja unsere Spezialgebiete“, ergänzt Parpart. Das Streaming von Inszenierungen sieht das Schauspiel eher kritisch. „Unsere Mitschnitte waren nur für den internen Gebrauch gedacht und liegen deshalb nicht in einer Qualität vor, bei der Streaming wirklich Spaß macht oder den Genuss eines Live-Theatererlebnisses ersetzen kann“, so die Pressesprecherin.

Ab dem 1. Juni soll der Spielbetrieb dann für alle mit „kleinen Formaten“ wieder zum Livebetrieb werden. Sicherheits- und Hygienevorkehrungen und damit stark reduzierte Zuschauerzahlen gilt es dann zu beachten. „Wir haben bereits viele Ideen vorbereitet, jetzt geht es an die konkrete Umsetzung. Denn auch wenn das Publikum erst mal nur in kleinen Gruppen zu uns kommen darf, wir freuen uns einfach, endlich wieder live für unseren Zuschauer Theater machen zu können“, so Parpart.

http://www.staatstheater-stuttgart.de