Fahrtest: Reinsitzen, losfahren und sich keine Gedanken über Restreichweite oder die nächste Ladesäule machen. Dieses Versprechen gibt der Nissan Leaf e+. Und hält es ein. Von Reimund Abel

Nissan Leaf e+

Foto: Nissan

Im Segment der Elektroautos ist der Nissan Leaf ein alter Bekannter. Seit 2010 wird der Wagen verkauft, die zweite Generation stellte der Konzern Mitte 2013 vor. In Europa mauserte sich der kompakte Japaner laut Hersteller zum meistverkauften E-Mobil im Jahr 2018. Hauptabsatzmärkte sind die USA sowie Japan. In Deutschland wurden laut offiziellen Angaben im vorvergangenen Jahr rund 2400 Einheiten des Leaf neu zugelassen. Ohnehin sind die Deutschen nach wie vor zurückhaltend mit dem Kauf eines elektrischen Fortbewegungsmittels auf vier Rädern. Das will Nissan ändern – zum Beispiel mit dem Leaf e+, dem eine stärkere Batterie eingepflanzt wird.

Reinsitzen, losfahren und sich keine Gedanken über Restreichweite oder die nächste Ladesäule machen. Dieses Versprechen gibt Nissan – und hält es mit dem Leaf e+ ein. Mit der Kapazität von 62 kWh sind laut WLTP-Norm Reichweiten von fast 400 Kilometern möglich. Davon blieben während der 14-tägigen Testzeit zwischen 315 km und 360 km übrig (laut Anzeige des Bordcomputers).

Allerdings lief im Leaf fast durchweg die Klimaanlage, auf die Sitzheizung haben wir ebenfalls nicht verzichtet. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt wohl verständlich. Das Fahrwerk gibt dem Piloten keine Rätsel auf, es ist eines von der komfortablen Sorte und passt zum Charakter des Japaners. Die Passagiere finden vorn wie hinten ordentlich Platz, zu fünft ist es zu eng. Der Fahrer findet sich an seinem Arbeitsplatz auf Anhieb zurecht. Eine Vielzahl an Assistenten erleichtert die Fortbewegung – zum Beispiel der Abstandstempomat und das Spurhaltesystem. Die Pro-Pilot-Technik für teilautonomes Fahren macht ihren Job richtig gut. Per Taste am Lenkrad aktivieren, und der Leaf rollt, wie von Geisterhand gesteuert, sicher durch den Verkehr. Besonders auf Fernstraßen.

Nissan Leaf e+: Ladeorte mit einer App finden

Apropos Fernstraßen. Auf längeren Distanzen erzieht der Nissan einen sehr deutlich zu einer zurückhaltenden Fahrweise. Jenseits einer Geschwindigkeit von 120 km/h schmilzt die Batteriekapazität schneller als Eis in der Sonne.

Der Kofferraum hat ein Fassungsvermögen von rund 400 Litern. Für einen längeren Familienausflug ist das gerade noch ausreichend. Allerdings ist der Laderaum etwas umständlich zu beladen, da das Gepäck über eine hohe Kante gehievt werden muss. Das E-Pedal von Nissan ist eine clevere Erfindung, an die man sich sehr rasch gewöhnt. Wenn man vom Gas geht, verzögert die Fuhre, ohne dass die Bremse betätigt werden müsste. Dabei wird Energie über die Rekuperation in den Akku gespeist.

Kommen wir zum Thema Laden: Mit dem AC-Kabel aus dem Kofferraum kann über Nacht ein leerer Akku mit frischer Energie versorgt werden. Klappt gut, wenn die Ladesäulen-Infrastruktur ausreichend vorhanden ist. Mithilfe einer App, beispielsweise die von Plugsurfing, finden sich Ladeorte. Deutlich schwieriger ist das beim Schnell-­Laden. In Deutschland ist der CCS-Standard üblich und recht weit verbreitet, der Leaf e+ benötigt jedoch eine Lademöglichkeit mit Chademo-Anschluss. Und die sind hierzulande leider rar gesät.

Ordentlich Platz für Passagiere und Gepäck

Das Fazit: Der Leaf mit dem großen Akku bringt vieles mit, was ihn zum Erfolgsmodell im Markt der E-Autos machen könnte. Große Reichweite, ordentlich Platz für Passagiere und Gepäck, moderne Technik sowie viele Assistenzsysteme. Aber der hohe Preis dürfte so manchen Käufer abschrecken – in der Connecta-Ausstattung sind 44 700 Euro zu bezahlen. Der von Nissan bereitgestellte Testwagen steht sogar mit 48 890 Euro in der Liste. Auch nach Abzug der vom Hersteller in Aussicht gestellten Kaufprämie von bis zu 7000 Euro ist das ein großer Batzen. Die Ladezeiten sind der zweite Haken. Ohne hierzulande gängige CCS-Stecker braucht es viel Geduld, um die Batterie wieder auf 100 Prozent zu bringen.

Die Konkurrenz ist da besser aufgestellt. Die in diesem Jahr neu auf den Markt kommenden Wettbewerber von Opel über Peugeot bis zu Volkswagen dürften dem Leaf das  Leben schwer machen.

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