Heute erhalten die Leserinnen und Leser von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten exklusiv die neue Standort-Ausgabe. Das Immobilienmagazin für Stuttgart und die Region nimmt aktuelle Themen aus dem Immobilienbereich unter die Lupe und liefert exklusive Homestorys. Lesen Sie heute: Zu Hause bei Musical Star Randy Diamond und seiner Frau, Ballett-Dramaturgin, Katajun Peer-Diamond. Von Petra Mostbacher-Dix

Standort

Foto: Mierendorf

Unprätentiös ist es, das Treppenhaus. Und hoch. Stufe um Stufe, Stockwerk um Stockwerk geht es hinauf, bis man sich knapp unter dem Himmel wähnt. Ein Aufstieg in den vierten Stock, der sich lohnt: Hinter der schlichten Holztür öffnet sich ein Blick über die Dächer von Stuttgart, der seinesgleichen sucht. Unsere Standort-Autorin war zu Gast bei Musicalstar Randy Diamond und seiner Frau Katajun Peer-Diamond.

Diese Aussicht war es denn auch, die Randy Diamond und seine Frau, Regisseurin und Ballett-Dramaturgin, vom ersten Moment an in den Bann zog, als sie die Wohnung, die Katajun im Internet entdeckt hatte, das erste Mal in Augenschein nahmen. Doch bei dieser Erstbesichtigung vor dreizehn Jahren drängten sie sich zwischen vielen anderen Interessenten. Zu vielen.

„Wir sind gleich wieder zurückgefahren nach Darmstadt, wo wir damals lebten“, erinnert sich Katajun. „Wir wollen nicht um eine Wohnung kämpfen. Dann ist die Energie falsch.“ Diese schien indes auch so zu fließen. Wurde doch das fast 80 Quadratmeter große Apartment einen Monat später wieder im Internet angeboten. Da wusste sie: „Das ist unsere Wohnung. Die hat auf uns gewartet.“ Schnell rief sie die Maklerin an, besiegelte den Kauf. Dabei hatte das Paar die Wohnung bis dahin nicht wirklich angesehen.

Pflanzen mit Panorama-Blick

Bereut haben sie es dennoch nie, zumal sie alles nach Gusto gestalten konnten: Die Basis des Mehrfamilienhauses stammt von 1910, aber ihre Dachwohnung gehört zu den Etagen, die in den 50er-Jahren aufgestockt wurden. So entstand die Terrasse mit dem grandiosen Panoramablick. Dort pflegt Randy allerlei Pflanzen, die er zum Teil wieder aufgepäppelt hat, wie etwa ein Bäumchen, das er bei seinem Freund und ehemaligen Tanzkollegen Jean Christophe Blavier – beide tanzten einst als Erste Solisten beim Stuttgarter Ballett – fand.

Oder das Nadelgehölz, das neben der Buddhafigur – einst eine Requisite – gedeiht: Es lag sterbend am Wegesrand, als Randy mit einem Kollegen von Innsbruck nach Stuttgart zurückfuhr. Er rettete es. Mit Pflanzen kenne er sich nicht aus, aber er liebe sie. „Ich kaufe ungern Blumen, mag es, wenn sie aus der Natur kommen.“ Auch Beeren- und Tomatensetzlinge finden sich bei Randy und Katajun, die leidenschaftlich gerne kocht, am liebsten persisch oder israelisch. „Ich bin Perserin, da spielt sich das Leben auch draußen im Garten ab.“

Die erste Tomate, die im Jahr reif werde, sei stets etwas Besonderes. „Wir entschuldigen uns fast bei ihr, dass wir sie ernten.“Nicht nur die Terrasse draußen, auch die Räume drinnen stecken voller Geschichten. Da steht eine Flakonflasche mit Wasser aus dem Toten Meer auf einer rund 100 Jahre alten Anrichte im Stil des Historismus von Katajuns Familie, dort eine Schiffsskulptur auf einem Eckschrank, die von Randys Mutter erzählt, hier hängen allerlei „Toi-ToiTois“ – kleine Glücksbringer, die vor Premieren verschenkt werden – an einem Übertopf aus Holzscheiben. „Bei uns ist immer Weihnachten!“ feixt Randy. Und Katajun erklärt, dass Möbel und Accessoires ein Mix aus Gekauftem, Geerbtem, Flohmarkt und Selbstgemachtem sei.

Küchenkronleuchter Marke Eigenbau

Hier zählt nicht der Schein, sondern das Sein, alles hat Bedeutung. Wie die zwei Alben, die Fans für Randy gedruckt haben: eines mit Fotos aus seiner Zeit als Balletttänzer, ein anderes mit Bildern seiner Musicals. Randy ist da unter anderem zu sehen in „On Your Toes“ beim Stuttgarter Ballett, später als Jesus Christ Superstar in Braunschweig – oder als Frank N. Furter in „The Rocky Horror Picture Show“.

Assoziationen weckt auch die faszinierende Fotowand mit Rollen- und Familienbildern neben der Ballett-Ecke, die Randy und Katajun eingerichtet haben: ein raumhoher Spiegel mit Ballettstange. „Hier entwickelt Randy Choreografien“, beschreibt seine Frau. Auch im Bad ist das Thema Bühne präsent: Über dem modernen Doppelwaschbecken prangen zwei barock anmutende Spiegel, beleuchtet von drei vertikalen Reihen Glühbirnen – wie in einer Theaterumkleide. Jede Ecke zeugt von der Leidenschaft und der Liebe zum Detail, die das Paar in den Umbau und der Gestaltung der Wohnung gesteckt hat. „Wir haben alles rausgestrippt“, sagt Randy, und Katajun ergänzt: „Nichts ist, wie es mal war.“

Das beginnt vom massiven Parkettboden und endet nicht beim raffinierten Durchgang, der nun Küche und Esszimmer verbindet, so mehr Licht auf das Szenario wirft. Zu dem gehört ein außergewöhnlicher Küchenkronleuchter Marke Eigenbau: In den Löchern von Metallringen baumeln Löffel und Gabeln. „Wir hatten erst das Gestell, bis plötzlich die Erleuchtung mit dem Besteck kam“, lacht Katajun. Und Randy illustriert, welcher Schlauch die Küche zuvor war. Beim Renovieren kam denn auch manche Entdeckung zum Vorschein, etwa an der Wand die weiß-blauen achteckigen Fließen, die um 1900 so beliebt waren. Die Diamonds ließen die verbleibende Wand dahinter in passendem Blau streichen. „Es war nicht einfach, diese Nuance zu finden“, kommentiert Katajun.

Die Künstler verraten dem Standort-Magazin, warum sie Stuttgart so sehr lieben

Das ging schneller beim puristischen Kamin im Wohnbereich, dessen Feuer kältere Tage kuschelig macht. Akzente setzt dort ein Sichtmauerwerk, vor dem Katajun Stücke und Librettos konzipiert, etwa das Tanztheater „Wolfgang Amadeus“ für das Tiroler Landestheater oder „Cinderella“ für die New York City Dance School Stuttgart. Ihren Schreibtisch in der Arbeitsecke – mit viel Stauraum und ausziehbarer Platte – hat Randy auf Maß gefertigt. „Ich wusste genau, was ich brauche, er setzte es um“, lobt sie.

Ihr Mann wehrt ab: „Ich weiß zwar nicht, was ich tue, aber ich tue es.“ Dass er gut im Möbelbau ist, obschon er diesen nie gelernt hat, wird auch im Schlafzimmer deutlich: Neben dem Spiegelschrank, der den Raum optisch vergrößert, hat er mit Kuben und Quadern ein Regalwunder mit viel Platz für Bücher, Ordner und mehr geschaffen. „Wir haben hier unterm Dach viele Schrägen, die muss man kreativ nutzen“, so Katajun. Jeder Raum, jedes Element zeugt davon, wie wohl sich die beiden in der Wohnung, aber auch in Stuttgart fühlen. „Das ist ‚a little goldmine’, eine Goldmine hier“, sagt Randy, eine eigene Basis, auf die er immer wieder zurückfallen könne.

Zumal die beiden zwei Drittel des Jahres unterwegs seien – sie in Theatern hinter, er auf der Bühne. Wohnen bedeutet beiden denn auch, runterkommen zu können, Ruhe und zu sich selbst zu finden. Beide schätzen, mitten in der Stadt zu leben – und doch privat zu sein. „In gerade mal sechs Minuten sind wir auf der Königstraße“, so Katajun. Auch öffentliche Verkehrsmittel und der Bahnhof seien quasi ums Eck. „Das ist perfekt!“, meint Randy. Stuttgart habe die ideale Größe. Und eine wunderbare Kulturszene, ergänzt Katajun. Auch die Topografie hat es der gebürtigen Braunschweigerin angetan. „Dort ist es flach. Anfangs habe ich daher von den Bergen hier geschwärmt. Eine Stuttgarterin hat mich dann korrigiert … ‚das heißt Halbhöhe’.“

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