Die zweite Ausgabe der Sonderveröffentlichung #gemeinsamstark der Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten zeigt Perspektive. Lesen Sie heute: Stuttgarter Traditionsfirmen berichten wie sie den Lockdown überstanden haben und wie sie in die Zukunft blicken. Von Julia Georganoudis

Stuttgarter Traditionsfirmen

Soziale Distanz hat sich in den vergangenen Wochen etabliert. Die Sehnsucht nach persönlichem Kontakt wächst – auch bei den lokalen Händlern. Die vielen Stuttgarter Traditionsfirmen prägen das Stadtbild und bieten ein besonderes Einkaufserlebnis.

Es lebt von fachkundiger Beratung und dem Vertrauen in gute Serviceleistungen. Die Traditionsunternehmen sind Teil der Stadtgeschichte und Teil der Gegenwart, in der die Pandemie einen historischen Moment markiert.

Für manche sind die Auswirkungen gravierend, andere trifft es weniger hart. Spürbar sind sie für alle. Nach den schrittweisen Lockerungen der Corona-Maßnahmen wächst die Hoffnung auf Normalität. Und eine Zukunft, in der Kunden die Beratung und den Kontakt zu lokalen Händlern womöglich mehr wertschätzen denn je.

Thomas Breuninger, Geschäftsführer Tritschler

„Unsere vier Ladengeschäfte mussten wir alle am 18. März aufgrund der Anordnung der Landesregierung schließen. Lediglich mit unserem Onlineshop konnten wir in dieser Zeit Umsätze erzielen. Hier durften wir erfreut feststellen, wie viele unserer Kunden uns auch in dieser schwierigen Zeit die Treue gehalten haben. Auch die vielen Anrufe und Mails, die wir in dieser Zeit von unseren Kunden erhalten haben, haben uns immer Mut gemacht. Ab dem 20. April durften wir wieder öffnen.

Wir haben oft gehört, wie sehr sich unsere Kunden darauf freuen, wieder zurück in die Innenstädte zu kommen. Und darauf bei „Ihren Händlern“ vor Ort mit persönlicher Beratung einzukaufen. Auch die Tatsache, dass die Corona-Krise ganz offenbar uns allen zusätzlich gezeigt hat, dass es langfristig die bessere Entscheidung ist, qualitativ hochwertig und nachhaltig einzukaufen, stimmt uns sehr positiv. Der lokale Handel steht mit dem persönlichen Kontakt zwischen Mitarbeitern und Kunden für Vertrauen und menschliche Nähe.

Dies sind Werte, die wir in den Wochen der Corona-Geschäftsschließungen alle vermisst und wieder herbeigesehnt haben. Darüber hinaus sorgen lokale Händler für Arbeitsplätze und Steuereinnahmen in der Region. Sie stellen sicher, dass wir lebendige und lebenswerte Innenstädte erhalten. Jetzt entscheiden Konsumenten und Politik mit ihrer Unterstützung der lokalen Händler darüber, wie unsere Innenstädte künftig aussehen werden.“

Kunden sind immer noch verunsichert von den Bestimmungen zur Corona-Pandemie

Rainer Bartle, Filialleiter Buchhaus Wittwer-Thalia

„Die Corona-Krise hat uns als Buchhaus wie auch als Gesamtunternehmen schwer getroffen. Als Omni-Channel-Händler konnte der E-Commerce jedoch einen Teil der Verluste auffangen. Unsere Kunden sind uns zum Glück treu geblieben. Wichtig war hierfür auch, dass wir bereits im April mit Abholstationen wieder für unsere Kunden vor Ort da sein konnten.

Aktuell ist die Stuttgarter Innenstadt immer noch zu leer und die Kunden verunsichert von den Bestimmungen zur Corona-Pandemie. Ein unbeschwertes Stadtgefühl und die Lust am Flanieren und Shoppen will noch nicht recht aufkommen. Wir hoffen, dass sich dies in den kommenden Wochen vorsichtig wiedereinstellen wird. Darüber hinaus planen wir für unsere Kunden für den Herbst wieder attraktive Aktionen. Buchhandlungen haben als Treffpunkt, Begegnungsorte und Kulturort einen besonderen Stellenwert.

All das haben unsere Kunden durch den Lockdown schmerzlich vermisst aber auch neu zu schätzen gelernt. Fachkompetenz, persönliche Beratung und das Buch als Erlebnis. Das macht uns als lokales Buchhaus aus und das macht uns stark. Diese Vorzüge wieder voll ausleben zu dürfen, dafür werden wir in den kommenden Monaten alles tun – mit hochmotivierten Mitarbeitern für die Menschen dieser Stadt und der Region.“

Rainer Kehrer, Geschäftsführer Modehaus Kehrer

„Wegen des Infektionsschutzgesetzes mussten wir unser Geschäft am 18. März schließen. Am 20. April durften wir unter Auflagen wieder öffnen. In dieser Zeit haben wir viele Gespräche geführt, mit Vermietern, Kollegen, Lieferanten, Steuerberatern, Verbänden und der Politik. Resultierend daraus mussten einige Entscheidungen getroffen werden, über Mietstundungen, Kurzarbeit, Öffnungszeiten, die Beantragung von Fördermitteln und auch Schutzmaßnahmen zur Eröffnung.

Stuttgarter Traditionsfirmen: „Wir hoffen, dass kein weiterer Lockdown kommt“

Wir rechnen fest mit einem weiteren Umsatzrückgang. Wie viel ist schwer zu sagen. Da spielen viele Faktoren eine Rolle. Wir hoffen, dass kein weiterer Lockdown kommt. Wir sehen der Zukunft momentan eher pessimistisch entgegen.

Die Maskenpflicht wird uns sicherlich noch länger begleiten. Also hält sich das Einkaufserlebnis weiterhin in Grenzen. Der lokale Handel ist wichtig, denn mit ihm – und einem entsprechenden Branchenmix – lebt die Innenstadt und es gibt Bewegung auf den Gehwegen und Straßen. Auch die kurzen Wege zu den Geschäften sind ein Vorteil. Außerdem unterstützen lokale Händler oft als Sponsoren die örtlichen Vereine – das macht ein Großkonzern nicht.“

Martin Luz Geschäftsführer Metzger Luz

„Da wir ein systemrelevanter Nahversorger in Form einer Metzgerei mit Produktion sind, haben die Folgen der Pandemie im Ladengeschäft zum Glück nicht so große Auswirkungen auf den Umsatz gehabt. Allerdings ist uns der Partyservice für Konfirmationen, Kommunionen, Hochzeiten, Geburtstage oder Firmenfeiern komplett weggebrochen. Wir haben schnell reagiert und einen Lieferservice für unsere Kunden eingerichtet, der auch sehr gerne in Anspruch genommen wird.

Der lokale Handel ist für jeden Stadtteil sehr wichtig. Denn sonst sterben die Innenstädte und Randbezirke komplett aus und es werden dann nur noch die großen Player alles bestimmen, unter anderem natürlich die Preise. Fast alle lokalen Händler sind familien- oder personengeführt. Sie sind in schwierigen Zeiten eine Beruhigung, ein Stück weit Normalität, bei denen man Persönlichkeit, Ansprache und Qualität findet.

Sie schaffen im Umfeld jede Menge Arbeitsplätze. All diese Händler versuchen ihr Möglichstes und passen sich immer wieder den Gegebenheiten an, um gegen die Großkonzerne zu bestehen. Wir schauen positiv in die Zukunft, da alles ein Ende hat, nur die Wurst hat zwei.“

Die Vorzüge des lokalen Handels und Handwerks liegen ganz klar im Service

Gabriele Schanbacher, Schanbacher GmbH

„Als mittelständisches Handwerksunternehmen mit Ausstellungs- und Verkaufsräumen haben wir unsere täglichen Arbeitsabläufe entsprechend der jeweils geltenden Corona-Vorschriften angepasst. Mit vertrauensvollen und umsichtigen Maßnahmen ist es uns gelungen, mit unseren Mitarbeitern, Partnern und unseren Kunden weiterzuarbeiten. Viele Arbeitsabläufe und Leistungen werden sich verändern müssen und mehr Zeit in Anspruch nehmen, bis sich alles routiniert eingespielt hat.

Jedoch freuen wir uns schon heute darauf, unseren Kunden irgendwann wieder ohne Mund-Nase-Bedeckung entgegenzutreten. Um Herzlichkeit in der Mimik zu schenken und geschenkt zu bekommen. Wir blicken optimistisch in die Zukunft. Wir als Handwerker können uns vorstellen, dass sich viele Menschen nach dem langen Lockdown nun frischen Wind in ihren Räumen wünschen. Vielleicht hat sich der ein oder andere in dieser Zeit dazu entschlossen, sein Heim oder Homeoffice verschönern zu lassen.

Die Vorzüge des lokalen Handels und Handwerks liegen ganz klar im Service, also im persönlichen Kontakt mit Kunden. Von der Beratung, beim Kauf, bei der handwerklichen Umsetzung bis hin zur Erreichbarkeit danach. Hier haben wir kurze Wege und direkte menschliche Kontakte. Denn nur persönlich können Emotionen geteilt werden. Wir haben gemeinsam die Chance unsere Wirtschaftsregion zu stärken, Arbeitsplätze zu sichern und unsere regionalen Werte zu vermitteln.“