Ralph Siegel hat so ziemlich allen Stars der deutschen Schlagerszene große Hits auf den Leib geschrieben. Aber auch mit Stuttgart verbindet den Grandseigneur der Unterhaltungsmusik so manches. Unter anderem auch Zeppeline. Von Gabriele Metsker

Wer den Namen Ralph Siegel hört, der denkt spontan an den Grand Prix d’Eurovision, bei dem Nicole 1982 mit dem von Siegel komponierten Song „Ein bisschen Frieden“ den ersten Platz für Deutschland gewonnen hat. Insgesamt 25-mal war der Münchner mit seinen Kompositionen allein bei diesem internationalen Wettbewerb am Start. Darüber hinaus hat er so ziemlich allen Stars der deutschen Schlagerszene große Hits auf den Leib geschrieben. Aber auch mit Stuttgart verbindet den Grandseigneur der Unterhaltungsmusik so manches.

Es scheint heute, im Zeitalter von Youtube und Spotify, fast unvorstellbar: Aber wenn es darum ging, einen Song in der Öffentlichkeit bekannt zu machen, ging Ralph Siegel in diesen Zeiten zuerst einmal auf Reisen – unter anderem führte ihn sein Weg da auch in die Schwaben­metropole.

Zuallererst zu dem Radiosender, der seinerzeit noch als Süddeutscher Rundfunk – kurz: SDR – firmierte. Dort stellte er den Musikredakteuren die neuesten Titel vor, damit die neuen Melodien möglichst rasch und häufig „on air“ gehen und damit bekannt werden und Hitpotenzial erreichen konnten.

Ralph Siegel: „Wichtig ist vor allem die Glaubwürdigkeit des Künstlers“

Regelmäßig besuchte Siegel auch den befreundeten Rundfunksprecher Rainer Nitschke auf dem Killesberg – und nicht zuletzt Frau Küppers von Küppers Automatenhandel, die eine wichtige Funktion hatte: Sie war für die Bestückung der damals noch bundesweit verbreiteten Musikboxen zuständig. Diese Automaten standen vor allem in Gaststätten, und wer ein kleines Geldstück einwarf, für den spielte die Jukebox den ausgewählten Lieblingstitel.

„Da war bei Erfolg ein Verkauf von 60 000 bis 80 000 Platten drin“, erzählt Ralph Siegel. „Diese Automaten waren als Basis sehr wichtig!“ Stuttgart kannte er im Übrigen schon von früher. Damals besuchte er gemeinsam mit seinem Vater, dem Schlagerkomponisten Ralph Maria Siegel, Erwin Lehn und dessen Südfunk-Tanzorchester.

Viel Zeit ist seither vergangen, das Ranking der bei der Gema gelisteten Hits von Siegel ist inzwischen auf stolze 2000 Titel angewachsen. Worin das Geheimnis liegt, eine solch beeindruckende Anzahl von Hits zu schaffen? „Wichtig sind der Inhalt und die Glaubwürdigkeit des Künstlers“, sagt der 75-Jährige. „Für mich war immer entscheidend: Welcher Künstler singt was?“ Er habe sich immer genau angeschaut, für wen er etwas schreibe, erzählt er.

Biografie „Mehr als ein bisschen Frieden“ zum 75. Geburtstag

Die Textidee sei dabei zunächst das Wichtigste. Und so entstand etwa für Katja Ebstein der Titel „Theater“, weil genau das in ihrem Leben eine so wichtige Rolle spielte. Und nur ein Sänger wie der Tscheche Karel Gott konnte authentisch von seiner „Babička“ singen – was das tschechische Wort für Großmutter ist. Immer, so verrät er, habe er dabei das Lied bereits im Kopf gehabt, vor allem den musikalischen Hauptgedanken.

Erst dann habe er sich ans Klavier gesetzt und eine Struktur entwickelt. Große Bedeutung kam immer dem Intro zu. Vor allem in der Zeit natürlich, als er seine neuen Titel Frau Küppers vorstellte und diese in die Songs hineinhörte. Damals war es entscheidend, dass die ersten Takte zündeten und eine Bestellung zur Folge hatten.

All das lässt sich in Ralph Siegels Biografie „Mehr als ein bisschen Frieden“ nachlesen, die im vergangenen Jahr 500 Seiten stark aus Anlass seines 75. Geburtstages herausgekommen ist. Bis auf das eine oder andere Komma, das vom Verlag noch angepasst wurde, habe er jedes Wort selbst geschrieben, betont er. Die ersten 200 Seiten habe er dabei von seiner ersten, bereits 1970 erschienenen Autobiografie übernommen, sagt er und lacht. „Meine Jugend kann ich ja nicht noch einmal neu schreiben.“

Ralph Siegel produziert Musicalshow „Zeppelin“

Nun sind noch 300 Seiten hinzugekommen. Und ein großes Projekt, das nicht zwischen zwei Buchdeckel passt. Zum ersten Mal in seinem langen, ereignis- und erfolgreichen Leben ist Ralph Siegel nicht nur Songtext-Autor und Komponist, sondern auch Produzent einer großen Musicalshow: „Zeppelin“.

Fünf Jahre lang hat er an diesem Musical geschrieben. Die Faszination für die Luftschifffahrt begleitet ihn jedoch schon eine ganze Weile länger. Schon in den 1960er Jahren hat er den Titel „Wir mieten uns einen alten Zeppelin“ komponiert. Unvergessen sind zudem die kleinen Zeppeline, die er beim Urlaub in Italien immer wieder am Himmel gesehen hat, wie sie Banner mit kleinen Botschaften hinter sich herzogen.

Zur Vorbereitung auf das Musical hat er sich dann, wie er sagt, „in die Idee hineingegraben“; also zum Beispiel in die Geschichte der Zeppeline, die von Deutschland aus nach Lakehurst in den USA und nach Rio de Janeiro in Brasilien flogen und bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 auf mehr als 1400 Fahrten insgesamt 35 000 Personen beförderten.

Uraufführung im Festspielhaus Neuschwanstein in Füssen

In die Geschichte eingegangen ist vor allem der Unfall des Zeppelins LZ 129, genannt „Hindenburg“, als sich 1937 bei der Landung in Lakehurst die Wasserstofffüllung entzündete und das Luftschiff in Flammen aufging. Das erlebte der Erfinder des Zeppelins, Ferdinand Graf von Zeppelin, nicht mehr. Seine bewegte Lebensgeschichte wird ebenfalls im Musical erzählt.

So gibt es viel Raum für Romantik und Spannung. „Die Leute sollen rausgehen und sagen: ,Schön war’s‘, wünscht sich Ralph Siegel. Graf Zeppelin ging übrigens als junger Mann in Stuttgart zur Schule, sein Grab befindet sich auf dem Stuttgarter Pragfriedhof. Und so führt auch jetzt wieder – ganz leise – eine kleine Spur im Leben von Ralph Siegel nach Stuttgart.

Die Welturaufführung des Musicals hätte schon 2020 auf Europas größter Bühne im Festspielhaus Neuschwanstein in Füssen stattfinden sollen und musste – wie so vieles – pandemiebedingt verschoben werden. Nun ist die Uraufführung auf den 10. Juni terminiert. Gebuchte Tickets, die schon jetzt gekauft oder verschenkt werden, behalten auf jeden Fall drei Jahre lang ihre Gültigkeit. Zum Cast gehören unter anderem Stars wie Sandy Mölling, Sigmar Solbach, Mathias Edenborn, Uwe Kröger, Kevin Tarte und Hannes Staffler.

Jetzt Tickets buchen unter: https://das-festspielhaus.de oder über die Tickethotline 0 83 62 / 5 07 77 77

Ralph Siegel

Foto: Mila Parain Photography