Weiterbildung lohnt sich. Fördert die Karriere. Ist der Schlüssel für den Aufstieg. Der Bedarf einer Weiterbildung für ITler ist besonders hoch, da die Halbwertszeit an IT-Wissen nur sehr kurz ist. Von Peter Ilg

Weiterbildung für ITler

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Was bringt eine Fortbildung? Diese Frage beantworteten rund 300 Personalverantwortliche für die Studie „Weiterbildungstrends in Deutschland 2018“ der Studien­gemeinschaft Darmstadt (sgd), einer Fernschule von Klett. Für 88 Prozent der Personalentscheider ist sie der Schlüssel für den beruflichen Aufstieg, Wegbereiter für mehr Verantwortung und größere Aufgabenbereiche. 80 Prozent bekommen nach einer Fortbildung eine Gehaltserhöhung. Weiterbildung lohnt sich also.

Bei der Technischen Akademie Esslingen (TAE) liegt der Schwerpunkt der Weiterbildungskurse auf der Technik. Softwareengineering, Server- und Netzwerktechno­logie und IT-Management sind typische Kurs­angebote. „Wer zu uns kommt, sucht eine Lösung für ein Problem in seinem beruf­lichen Alltag“, sagt Roland Bach, Leiter des Geschäftsfelds Elektronik und IT. Etwa die Hälfte der jährlich rund 15 000 Teilnehmer an Kursen der TAE wird von den Unternehmen geschickt. Die andere Hälfte kommt auf Eigeninitiative. „Das sind oft die Leistungsträger in den Firmen und am motiviertesten in den Seminaren“, sagt Bach.

Der Weiterbildungsexperte rät dazu, alle zwei Jahre eine Fortbildung zu machen. „Kürzere Abstände bringen nicht wirklich mehr.“ Seine zeitliche Empfehlung leitet er aus der Projektdauer in der Industrie ab, die bei durchschnittlich 18 Monaten liegt. Die Halbwertszeit an IT-Wissen sei extrem kurz. Der Weiterbildungsbedarf daher hoch. Für Bach ist das nur die halbe Miete. „Das Erfolgsmodell in der Arbeitswelt der IT definieren wir so: grundlegendes Wissen plus Fortbildung in neuen Technologien.“ Die alten Hasen sollten sich mit neuen Themen auskennen und die Jungen die Basis ver­stehen – weil neue Technologien oft auf bewährter Basis aufgesetzt werden.

Freigabeschleife bei längeren und teuren Schulungen

Das Tübinger Softwareunternehmen itdesign hat im vergangenen Jahr für 77 fest angestellte Mitarbeiter eine Fortbildung gebucht. Bei insgesamt 140 Mitarbeitern. „Manche waren bei keiner Weiterbildung, andere dreimal, meist sind das Software­entwickler oder Berater gewesen“, sagt Julia Dörr, zuständig für Personalentwicklung. Der Fortbildungsbedarf bei ITlern sei definitiv höher als bei Mitarbeitern mit anderen Berufen. In dem schwäbischen Softwareunternehmen ist für jeden Mitarbeiter standardmäßig ein Kostenrahmen für die Weiterbildung festgelegt: 1500 Euro pro Jahr und vier Freistellungstage.

„Mit diesem Verfügungsrahmen können wir rasch reagieren, wenn es Fortbildungsbedarf gibt“, sagt Dörr. Mitarbeiter, Führungskraft und Personalentwicklung stimmen sich auf kurzem Dienstweg ab – und schon kann es losgehen mit dem Kursbesuch. Bei längeren und teuren Schulungen muss eine Freigabeschleife durchlaufen werden.

„Um die Qualität der Kurse zu bestimmen, betreiben wir ein Fortbildungscontrolling“, sagt Dörr. Zunächst findet ein Vor­gespräch mit dem Teilnehmer statt, in dem Ziele, Erwartungen und der Transfer des gelernten Wissens ins Team definiert werden. Am Tag nach dem Kurs bekommt der Teilnehmer einen Fragebogen zum Kurs, in dem etwa die Kompetenz des Trainers bewertet wird. Und schließlich findet zwei bis drei Monate nach der Maßnahme ein Gespräch zwischen Teilnehmer und Personalentwicklung statt, um zu klären, wie das neue Wissen angewandt und ob es in die Gruppe transferiert wird. „Eventuell ist eine Nachschulung notwendig oder der Teilnehmer hält eine interne Schulung über sein neues Wissen“, sagt Dörr.

Weiterbildung für ITler: Tipps für die passende Fortbildung

Die Studiengemeinschaft Darmstadt bietet Kurse ausschließlich als Fernunterricht in Form von Blended Learning an. „Das sind Online-Kurse mit schriftlichen Lernmaterialien – diese sowohl als E-Books als auch als Print-Hefte – sowie mit Online-Campus, Videos, realen und virtuellen Seminaren, in denen sich die Teilnehmer mit dem Trainer oder untereinander digital austauschen können“, sagt Harald Stürmer, Fachbereichs­leiter Informatik und digitale Medien.

Für ihn ist berufsbegleitendes Lernen die nachhaltigste Form der Fortbildung. „Was sie heute lernen, können die Teilnehmer morgen in der Praxis ausprobieren.“ Dass die Form des Online-Lernens Disziplin vom Lernenden abverlangt, mehr als in Präsenzkursen, sagt auch Stürmer. „Allerdings sind Online-Kurse didaktisch auf diese Form des Lernens ausgelegt, etwa durch Wiederholungen, Zusammenfassungen oder Beispiele.“ Allein 200 Videos gibt es für die angebotenen SAP-Kurse, um das Wissen anschaulich zu vermitteln.

Tipps:

Alix Diehl, Studienberaterin Informatik und digitale Medien bei der Studien­gemeinschaft Darmstadt https://www.sgd.de/ gibt Tipps für eine passende Fortbildung:

– Das persönliche Ziel vor Augen haben, also: Was möchte man mit dem Abschluss erreichen?
– Sich umfassend im Netz informieren, aber auch persönlich beraten lassen, etwa in einer Bedarfsanalyse bei einem Anbieter.
– Prüfen, wann und wie viel Zeit man investieren kann und damit verbunden, welche Methode passen könnte: Präsenz, berufsbegleitend, online oder in einer Kombination daraus.
– Überlegen, wie die Weiterbildung finanziert wird. Von den Ländern gibt es Qualifizierungschecks, der Bund bietet eine Bildungsprämie an. Wenn die Firma zahlt, umso besser.
– Sich über den Anbieter genau informieren.