Wer neu in die Landeshauptstadt kommt, hat viel zu entdecken. Das Magazin Willkommen in Stuttgart 2021 der Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten bietet spannende Informationen für einen guten Start in der neuen Heimat. Wie finde ich mich vor Ort zurecht? Was kann ich hier erleben? Und tolle Geschichten rund um die Stadt – all das und noch mehr in unserem Magazin für Stuttgarter Neubürger und Gäste.

Lesen Sie heute: Zehn Dinge, die man über Stuttgart wissen sollte.

EINS

Anno 1760 weilte Giacomo Casanova am württembergischen Hof, vergnügte sich beim Ballett Noverres, erfreute sich an charmanten Tänzerinnen und wunderbarer Musik. Leider klatschte der größte Verführer seiner Zeit – zum Leidwesen Herzog Carl Eugens – an den total falschen Stellen, verlor beim Glücksspiel und konnte seine Schulden nicht begleichen. Im Gasthaus Bären bei der heutigen Markthalle wurde er festgesetzt, konnte aber dank Komplizinnen und Komplizen entkommen.

ZWEI

Schlendert ein Besucher oder Neu-Stuttgarter über die Königstraße, kommt er unweigerlich an einer Institution dieser Stadt vorbei, obwohl das Ganze auf einer sehr kleinen Fläche Platz findet: die „Brezelkörble“. Sie gehören zum Stadtbild wie die Spätzle zu den Linsen. Schon zu einer Zeit, als noch keiner was mit dem Begriff „to go“ anfangen konnte, wurden Brezeln dort aus der Hand verkauft. Die Bäckerin Ursula Zotz-Fuess hatte vor mehr als 40 Jahren die Idee dafür. Heute wird das Laugengebäck, das für viele Schwaben täglich Brot ist, von der Bäckerei Frank an den Mann, die Frau oder an die Kinder gebracht.

DREI

Therese Huber war die erste Redakteurin und – weil es eben nur eine Stelle gab – auch die erste Chefredakteurin Deutschlands: Johann Friedrich Cotta übergab der gebürtigen Göttingerin die Stelle des „Morgenblatts“. Von 1798 bis 1804 wohnte das Paar Huber in Stuttgart. Die Mutter von insgesamt zehn Kindern lebte eine Zeit lang mit ihrem ersten Mann, Georg Forster, und ihrem zweiten Gatten, Ludwig Ferdinand Huber, in einer Dreiecksbeziehung. Sie verfasste auch Erziehungs- und Bildungsromane.

VIER

Der Fernsehturm https://www.fernsehturm-stuttgart.de/ ist Garant für zahlreiche Rekorde und Symbol für Erfindungsgeist und Bautätigkeit der Schwaben. Als Johann Traber am Himmelfahrtstag 2004 mit einem Smart Roadster auf gerade mal 16 Millimetern breiten Drahtseilen fuhr, befestigt an Fritz Leonhards Pionier-Architektur, stockte den Stuttgartern der Atem. Und dann machte Traber in 53 Metern Höhe noch einen Handstand. Alles ging gut, ein neuer Weltrekord beim Hochseil-Autofahren war aufgestellt.

FÜNF

Wussten Sie, dass es in Stuttgart zahlreiche unterirdische Bunker gibt? Sie sind ein Überbleibsel aus dem Zweiten Weltkrieg. Zum Beispiel unter dem Marienplatz, dem Marktplatz, dem Wilhelmsplatz, dem Leonhardsplatz und unter der Heilbronner Straße am Hauptbahnhof konnten sich die Menschen bei Bombenangriffen in Sicherheit bringen.

Willkommen in Stuttgart: Erster BH kommt aus Cannstatt!

SECHS

Immer wieder werden Neu-Bürger auf das Stichwort „Seilbahn“ stoßen – die nichts mit der Standseilbahn zum Waldfriedhof zu tun hat. Im Zuge von Fahrverboten und Fast-Auslastung des ÖPNV tauchen immer wieder Pläne auf, dass man von Untertürkheim auf den Württemberg, von Vaihingen zum Flughafen oder vom Pragsattel zum Ostendplatz durch die Luft gondeln könne. Zurück geht die Liebe zum Überm-Boden-Schweben auf die Sesselbahn, die bis Mitte der 1980er-Jahre für Gaudi im Höhenpark Killesberg sorgte.

SIEBEN

Die Markthalle https://www.markthalle-stuttgart.de/ ist ein Schmuckstück zwischen Sporer- und Dorotheenstraße. Und auch wenn die Stände und das verlockende Angebot alle Sinne auf sich ziehen, sollte man den Blick mal auf den Boden richten: Dort verlaufen 20 Meter Schienen. Diese Gleise waren der Zubringer vor allem für die Bürger von den Fildern, die die Ware direkt in der Markthalle angeliefert haben. 1949 wurde der Güterverkehr auf dem Straßenbahnnetz eingestellt. Die Straßenbahngleise in der Markthalle sind die ältesten der Stadt.

ACHT

Ein echt gemeiner Ausdruck für die Stadtbibliothek am Mailänder Platz ist die Bezeichnung „Bücherknast“. Böse Zungen nennen den Bau des Architekten Eun Young Yi so, weil der an die JVA Stammheim erinnere. Im Innern mutet die Bibliothek futuristisch an und ist ein favorisierter Filmdrehort. Die Mini-Quelle im Innern sorgt für Schmunzeln. Auch um das Gebäude herum war eine Wasser­anlage geplant. Leider hat der Gemeinderat die finanzielle Notbremse gezogen – was so mancher Bürger echt traurig fand.

NEUN

Hätten Sie’s gewusst? Der erste seriell gefertigte Büstenhalter stammt aus Cannstatt: Salomon Lindauer hatte eine Fabrik, die Unterwäsche für Damen produzierte. Sein Sohn Sigmund brachte 1890 den BH, über den sich schon viele andere Designerinnen und Designer den Kopf zerbrochen hatten, in großen Mengen auf den Markt. Leider steht die Firmengeschichte der Lindauers auch für die düstere Zeit, in der die Nationalsozialisten jüdische Mitbürger traktiert, enteignet und deportiert haben.

ZEHN

Die „Halbhöhenlage“ ist ein Begriff, den es nur in Stuttgart gibt und der nicht von der Höhe des Stockwerks abhängig ist, wie mancher unkundige Städter schon dachte. Unter Oberbürgermeister Heinrich Gauß platzten die Innenstadtbezirke aus allen Nähten. Man hoffte in den „durchgrünten Landhausgebieten“ Wohnraum zu finden und baute die Hänge hoch. Wichtig: Die Lage rund um die Nesenbachbucht ist entscheidend. Sillenbuch oder der Frauenkopf liegen also nicht in Halbhöhenlage.

Von Katrin Schenk

Willkommen in Stuttgart