Ab sofort am Kiosk: Das Backmagazin Zucker & Mehl 2019 der Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten. Bereits die vierte Ausgabe wird in diesem Jahr auf den Markt gebracht. Auf 68 Seiten gibt es Rezepte, Features und Tipps rund ums Backen in der Weihnachtszeit. Lesen Sie heute: Süße Weihnachtsgrüße aus Europa. Von Brigitte Bonder

Zucker & Mehl 2019

Foto: Adobe Stock

Die Adventszeit ist für viele mit schönen Kindheitserinnerungen verbunden. Überall duftet es nach frisch gebackenem Christstollen, Lebkuchen und Zimtsternen. Doch auch in anderen Ländern locken süße Weihnachtsspezialitäten. Unsere Zucker & Mehl Autorin hat die europaweit süßesten Versuchungen unter die Lupe genommen.

Für viele gehören die Nürnberger Lebkuchen zum Weihnachtsfest einfach dazu. Sie gehen auf fränkische Klosterbrüder zurück, die das süße Gebäck bereits im 14. Jahrhundert herstellten. Damit der Teig nicht auf dem Backblech anklebte, setzten sie die Masse auf Oblaten. Auch die exotischen Gewürze wie Zimt, Nelken, Kardamom, Muskat und die fremdländischen Mandeln konnten leicht erworben werden, da Nürnberg an wichtigen Gewürz- und Handelsstraßen lag. Von Generation zu Generation überliefert, werden die geheim gehaltenen Rezepturen für die Nürnberger Lebkuchen bis heute verwendet.

Eine spezielle Lebkuchen-Variante sind die Aachener Printen. Den Grundstock legten Bronzegießer aus dem belgischen Dinant mit dem sogenannten Gebildbrot vor mehr als 350 Jahren. Die Urprinte ähnelte zunächst dem heutigen Spekulatius. Dann kam Napoleon − und mit ihm die Kontinentalsperre. Abgeschnitten von Rohrzucker und amerikanischem Wildblütenhonig mussten die Printenbäcker mit einem gröberen, zäheren und schwer formbaren Teig improvisieren. Das war die Geburtsstunde der flachen, schlanken Schnittprinte. Heute wird die Spezialität auch mit Nüssen oder Mandeln belegt und mit Schokolade oder Zuckerguss überzogen.

Süßes aus dem hohen Norden

In Dresden wurde gleich ein ganzer Weihnachtsmarkt nach einer festlichen Leckerei benannt. Der Name „Striezelmarkt“ geht auf den heutigen Dresdner Christstollen zurück. Als Striezel bezeichnete man im Mittelhochdeutschen ein Hefegebäck in länglicher Form, das wahrscheinlich an das in Windeln gewickelte Kind der Weihnachtsgeschichte erinnern soll. Heute wird der echte Dresdner Stollen nur von Handwerksbetrieben des Dresdner Bäckerhandwerks nach traditionellem und gut gehütetem Rezept hergestellt.

In Schweden haben Lebkuchen ebenfalls zur Weihnachtszeit Saison, und noch heute werden überall im Land die sogenannten Pepparkakor nach alter Tradition gebacken. Das würzige Gebäck mit Nelken, Zimt und Ingwer ist ein wichtiger Bestandteil der schwedischen Vorweihnachtsfeiern wie dem Lucia-Fest. Nicht fehlen dürfen auch die süßen Lussekatter. Die Safran-Hefeteilchen werden in Form eines S gerollt, um an eine zusammengerollte Lucia-Katze zu erinnern. Garniert wird das Gebäck mit Rosinen für die Katzenaugen.

In Dänemark werden knackige Pebernødder, also Pfeffernüsse, zu Weihnachten gebacken. Sie zählen zu den ältesten Weihnachtsplätzchen des Landes und dürfen zum Fest in keinem Haus fehlen. Wenn es nach Zimt, Ingwer und Kardamom duftet, beginnt im hohen Norden die Weihnachtszeit. Beliebt sind auch feine Vanillekränze und dänisches Weihnachtsbrot, eine Art Hefezopf mit Marzipan und Weihnachtsgewürzen.

Weihnachtsgenuss am Mittelmeer

Köstliches Weihnachtsgebäck gibt es auch in Finnland, schließlich ist hier der Weihnachtsmann am Polarkreis zu Hause. Zur Advents- und Weihnachtszeit werden im Land der tausend Seen leckere Joulutorttu gebacken. Die zu Windrädern geformten Plunderteilchen werden mit Pflaumenmus gefüllt und ähneln von der Form her den klassischen Weihnachtsternen.

Ob Süßbrot oder Panettone – bei den weihnachtlichen Backtraditionen in Italien gibt es große Unterschiede zwischen Nord und Süd. In Südtirol sind Süßbrote wie das Zelten-Früchtebrot beliebt, dazu kommen Buchteln, also im Ofen gebackene Germknödel mit Marmeladenfüllung, auf den Tisch. Ursprünglich aus Mailand stammt das Panettone, eine Kuchenspezialität aus Weizensauerteig mit kandierten Früchten und Rosinen.

Die Toskana ist die Heimat des Panforte aus Siena, das auch kandierte Früchte, Honig, Zucker und Gewürze beeinhaltet. Noch traditioneller für diese Region sind jedoch die Ricciarelli, weiche Kekse in Rautenform, bestreut mit Puderzucker. Auf Sizilien wird zur Adventszeit das Buccellato zubereitet, ein Mürbteigring mit getrockneten Feigen, Rosinen, Mandeln, Orangenschale und weiteren Produkten, die je nach Zubereitungsgebiet variieren.

Besonders süß sind die Weihnachtsspezialitäten in Spanien. Überall ist zum Fest die Süßigkeit Turrón aus Mandeln, Honig, Zucker, Ei und Nüssen zu finden. Die Leckerei ist arabischen Ursprungs und schmeckt wie türkischer Honig. Besonders beliebt ist der kranzförmige Roscón de Reyes, der traditionell am Dreikönigstag serviert wird. In dem cremigen Zuckerkuchen versteckt sich eine Figur. Wer sie in seinem Kuchenstück findet, hat Glück im ganzen Jahr.

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